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Vorwahl US-Präsidentschaftskandidat:"Ich liebe es, Leute zu entlassen"

Viele Projekte von Bain aus der Ära Romney waren unstrittig ein Erfolg: Staples, eine Einzelhandelskette für Bürobedarf, wurde von einer kleinen Firmengründung zu einem global operierenden Unternehmen. Auch die Schnellrestaurantkette Domino's Pizza, der Sportausstatter Sports Authority und in Deutschland Jack Wolfskin, ein Hersteller von Outdoorbekleidung, waren unternehmerische Erfolge.

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Mitt Romney grüßt seine Fans. Er habe im Gegensatz zu seinen Konkurrenten Erfahrungen in der Wirtschaft gesammelt.

(Foto: AFP)

Es gibt jedoch auch eine andere Seite: Firmen, die unter großen Opfern der Belegschaft umstrukturiert wurden und dann doch beim Konkursrichter landeten. Ein Beispiel, das Romneys Gegner immer zitieren, ist Dade, ein Hersteller von Medizintechnik aus Deerfield in Illinois. Bain erwarb Dade 1994, und das Unternehmen konnte damals wirklich Erneuerung gebrauchen. Dades Hauptprodukt, einfache Geräte für Bluttests, verkauften sich gut, hatten aber technische Probleme.

Die Investoren waren auch unter der Belegschaft anfangs willkommen. "Was Bain in die Firma gebracht hat, war ein Gefühl für Dringlichkeit", sagte ein früherer Mitarbeiter der New York Times. Bain finanzierte sogar Übernahmen: Dade erwarb eine Diagnostikfirma sowie Behring, einen deutschen Spezialisten für medizinische Tests. Doch schneller als Umsatz und Gewinn stiegen die Schulden des Unternehmens. Das Management war gezwungen, Kosten zu senken; die Löhne und Betriebsrenten wurden gekürzt, zwei Fabriken geschlossen. 2002 beantragte Dade Gläubigerschutz.

Dade ist kein Einzelfall. Mindestens drei weitere Unternehmen mussten Konkurs anmelden, nachdem Bain sie mit Gewinn verkauft hatte: American Pad & Paper, ein Büroartikelhersteller, der Halbleiterproduzent DDI und die Einzelhandelskette Stage Stores. Die endgültige Bewertung der Fälle ist schwierig. Es kommt zum Beispiel vor, dass Unternehmen sich nach einem Konkursantrag erholen, der Konkurs kann auch Ergebnis von Ereignissen sein, für die Bain nichts kann. Nur: Romneys Wahlkampfaussage, er habe 100 000 Jobs geschaffen, dürfte in der Nettobetrachtung schwer zu halten sein.

Und dann seine Sprache: "Ich liebe es, Leute zu entlassen", sagte er kürzlich auf einer Wahlkampfveranstaltung. Dabei ging es zwar um Probleme der Gesundheitsversorgung und die Möglichkeit, seine Krankenversicherung zu kündigen. Die Sprachwahl des Kandidaten war trotzdem vielsagend. Und niemand hindert seine Konkurrenten daran, den Satz aus dem Zusammenhang zu reißen.