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Vorstandsgehälter:Im Club der Millionäre

Die Talsohle ist durchschritten: Deutschlands Konzernchefs haben 2010 wieder so gut verdient wie vor der Krise. Ihr Einkommen stieg im Schnitt um 21 Prozent.

Karl-Heinz Büschemann

Ekkehard Schulz kann zufrieden sein. Der langjährige Vorstandsvorsitzende von Thyssen-Krupp, der Ende Januar seinen Posten abgab, hatte zum Abschluss noch einmal sehr gute Zahlen für den Konzern vorgelegt, mit einer Nahezu-Verdreifachung des Gewinns pro Aktie.

Daimler Chef Dieter Zetsche

Dieter Zetsche kann mit seinem Salär zufrieden sein - er schaffte im vergangenen Jahr eine Gehaltssteigerung um etwa 100 Prozent, weil er im Jahr eins nach der Krise wieder gute Zahlen vorlegen konnte.

(Foto: dpa)

Das hat auch das Jahresgehalt des inzwischen 69-Jährigen erheblich verbessert. Er schaffte fast eine Verdreifachung. Im Jahr davor war der "Eiserne Ekki", wie der Manager bei Thyssen-Krupp genannt wird, mit einer Gehaltseinbuße dafür bestraft worden, dass der Stahlkonzern wegen der globalen Krise und wegen massiver Management-Fehler einen Milliarden-Verlust gemacht hatte.

Auch Dieter Zetsche, der Vorstandsvorsitzende des Daimler-Konzerns oder Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber dürfen sich nicht beklagen. Sie schafften eine Gehaltssteigerung um etwa 100 Prozent, weil sie im Jahr eins nach der Krise wieder gute Zahlen vorlegen konnten.

Deutschlands Konzernchefs, vor allem die Vorstandsvorsitzenden der Dax-Konzerne, haben im vergangenen Jahr wieder so viel verdient wie vor der Krise. Das durchschnittliche Chefeinkommen betrug im vergangenen Jahr 4,6 Millionen Euro. Die Chefs haben nach einer Untersuchung der Frankfurter Unternehmensberatung Hostettler, Kramarsch und Partner (HKP) ihre Einkommen 2010 im Schnitt um 21 Prozent erhöht. Nur wenige mussten Einbußen hinnehmen: Vier Herren erhielten geringere Bezüge als im Jahr zuvor, weil die Geschäftsentwicklung nicht stimmte.

Ein Auf und Ab

Damit folgen die Einkünfte der Vorstandsvorsitzenden weitgehend dem Auf und Ab der Unternehmen. Es sei erfreulich, so die Autoren der Studie, dass manche Unternehmen zunehmend andere Kriterien für die Bezahlung ihrer Führungskräfte anwendeten als die Gewinnentwicklung. Viele Unternehmen hätten inzwischen auch soziale Engagements der Firmen in die langfristige Erfolgsrechnung einbezogen würden oder die Zufriedenheit der Mitarbeiter.

Zugleich aber gibt es große Unterschiede in der Bezahlung der Dax-Chefs. VW-Chef Martin Winterkorn, Siemens-Vorstandsvorsitzender Peter Löscher, der erste Mann der Deutschen Bank, Josef Ackermann, und Daimler-Boss Dieter Zetsche erhielten jeweils mehr als acht Millionen Euro. Rechnet man noch die zum Teil üppigen Leistungen für die Altersversorgung hinzu, kassierten sie sogar mehr als zehn Millionen Euro.

Andere mussten sich mit weniger zufrieden geben. Bei Martin Blessing, dem Vorstandsvorsitzenden der zwischenzeitlich teilverstaatlichten Commerzbank, wurde das Gehalt per Gesetz auf 500.000 Euro gedeckelt. Und die Vorstandschefs des Chipherstellers Infineon, des Rohstoffkonzerns K + S sowie des Medizintechnik-Unternehmens Fresenius kassierten "nur" etwa zwei Millionen Euro.

Neues System

Die HKP-Berater sehen hier einen Erfolg der neuen Gesetze, die von 2010 an für eine nachhaltigere Entwicklung bei den Manager-Gehältern sorgen sollen. Als Reaktion auf Gehaltsexzesse in früheren Jahren hatte die Bundesregierung ein Gesetz ("VorstAG") erlassen, das den Anteil langfristig orientierter Gehaltsbestandteile bei den Managerbezügen erhöhen sollte. Bei den Banken sorgt ein ebenfalls seit 2010 geltendes Gesetz dafür, dass nur noch 20 Prozent der Bezüge vom Erfolg des Unternehmens abhängen.

Der Anteil der langfristig orientierten Bestandteile wachse stetig, stellen die Frankfurter Gehaltsexperten fest. "Die Gehälter werden nachhaltiger, aber auch riskanter", sagt HKP-Partner Michael Kramarsch. Die Schwankungen der auszuzahlenden Beträge würden größer, und für die Manager sei es nicht mehr so klar wie früher, was sie am Ende wirklich ausgezahlt bekämen.

Doch noch folgen nicht alle Firmen dem neuen Gesetz. BMW, Infineon und RWE bezahlten ihre Chefs im vergangenen Jahr nur mit einem Fixum und einer kurzfristigen Erfolgsvergütung. Die HKP-Berater sehen zudem noch Verbesserungsbedarf: Die Angaben der Unternehmen seien noch immer so unterschiedlich, dass die Zahlen oft nicht vergleichbar seien, kritisieren sie. Wesentliche Bestandteile der Gehälter würden nicht klar benannt.

© SZ vom 31.03.2011/wolf

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