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Vonovia:Mieten steigen trotz Corona-Krise

Vonovia-Hauptversammlung

Vonovia-Zentrale in Bochum: Die frühere Deutsche Annington besitzt knapp 415 000 Mietwohnungen, davon gut 354 000 hierzulande.

(Foto: Marcel Kusch/dpa)

Der Großvermieter Vonovia profitiert von Modernisierungen und will vor allem im Ausland wachsen.

Von Benedikt Müller-Arnold, Düsseldorf

Deutschlands größtem Vermieter Vonovia kann die Corona-Krise bislang nichts anhaben: Der Konzern vermietete seine Wohnungen zuletzt zu einer durchschnittlichen Kaltmiete von 7,18 Euro pro Quadratmeter. Vorstandschef Rolf Buch betont zwar, Vonovia sei damit ein "Garant für bezahlbares Wohnen". Allerdings liegt die Durchschnittsmiete 3,5 Prozent höher als noch vor einem Jahr, teilt das Unternehmen im Quartalsbericht mit.

Das liegt nicht nur daran, dass Vonovia recht regelmäßig Mieten erhöht, wo es Nachfrage und Mietrecht erlauben. Die Firma stockt auch auf und baut neue Wohnungen, die sie teurer vermieten kann. Vor allem aber dürfen Eigentümer Mieten erhöhen, wenn sie modernisieren, etwa Balkone anbauen oder Fassaden dämmen. Alleine dieses Geschäft trug nun 1,7 Prozentpunkte zum durchschnittlichen Mietanstieg von Vonovia in Deutschland bei. Einigen Mietern drohen nach Sanierungen finanzielle Nöte, wie Mietervereine berichten. Das Unternehmen verspricht freilich Kompromisse in derlei Härtefällen.

Vonovia besitzt mittlerweile knapp 415 000 Wohnungen, den Großteil davon in hiesigen Ballungsräumen. Für das laufende Jahr stellt die frühere Deutsche Annington einen operativen Gewinn von bis zu 1,465 Milliarden Euro in Aussicht; dies wären acht Prozent mehr als 2020.

Der Konzern profitiert davon, dass er in den vergangenen Jahren zwei Großvermieter in Schweden übernommen hat: Victoria Park und Hembla. Dank deren Fusion werde Vonovia allein in diesem Jahr 30 Millionen Euro sparen, kündigt Buch an, etwa an Zinsen, IT- und Personalkosten. Seine Firma habe mithin bewiesen, dass sie ihr Geschäftsmodell auch außerhalb Deutschlands skalieren könne, sagt der Vorstandschef. "Dadurch eröffnen sich für uns international enorme Wachstumschancen."

Weitere Zukäufe kann sich Buch etwa in Österreich und der Niederlande vorstellen - oder eben in Skandinavien, wo sich das Unternehmen in Malmö niedergelassen hat. "Da können Sie sozusagen mit der Straßenbahn nach Kopenhagen fahren", deutet Buch an. Derlei Übernahmen seien aber keine Frage der nächsten Tage, sondern eher der nächsten Jahre.

Die Internationalisierung scheint auch deshalb opportun, weil der politische Druck hierzulande zunimmt. Zwar ist das Land Berlin mit seinem Mietendeckel kürzlich am formalen Veto des Bundesverfassungsgerichts gescheitert. Doch schon mehren sich im aufkommenden Bundestagswahlkampf Forderungen nach einer bundesweiten Regel, um Mieterhöhungen zeitweise einzuschränken. Und in Berlin hat eine Initiative Zehntausende Unterschriften zugunsten eines Volksentscheids gesammelt - mit dem Ziel, Wohnungskonzerne in der Hauptstadt zu enteignen.

© SZ vom 05.05.2021
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