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Vonovia:"Da gehört ein Deckel drauf"

14.11.2020, Deutschland, Sachsen, Dresden, Blick auf das Neubaugebiet Leuben zwischen der Straße des 17. Juni und der P

Siedlung von Vonovia in Dresden: Der Dax-Konzern vermietet etwa 355 000 Wohnungen in Deutschland, Tausende weitere in Österreich und Schweden.

(Foto: imago images)

Der Konzern erhöht trotz Krise Mieten und die Dividende. Mieterschützer sind empört.

Von Benedikt Müller-Arnold, Düsseldorf

Hans-Jochem Witzke ärgern die Zahlen nur noch. Dass der Wohnungskonzern Vonovia Jahr für Jahr steigende Mieten meldet, die Aktionäre abermals eine höhere Dividende erhalten sollen: Der Chef des Deutschen Mieterbundes in Nordrhein-Westfalen findet das unerhört. "Das fortzuführen, trotz Corona und Krise zeigt: Da gehört ein Deckel drauf", sagt Witzke. Damit ist der Mieterschützer nicht allein.

Vonovia hat am Donnerstag eine Rekordbilanz vorgelegt. Das Unternehmen vermietet gut 415 000 Wohnungen in Deutschland, Österreich und Schweden; viele waren einst als Werks- oder Sozialwohnung entstanden. Im Schnitt verlangt Vonovia eine Kaltmiete von 7,16 Euro je Quadratmeter. Das sind drei Prozent mehr als vor einem Jahr. Zwar habe man angesichts der Pandemie "monatelang auf Mieterhöhungen verzichtet", sagt Vorstandschef Rolf Buch, die Mieten in bestehenden Verträgen im Schnitt nur um 0,6 Prozent angehoben. Hinzu kommt freilich, dass der Konzern Mieten erhöhen darf, wenn er Wohnungen modernisiert. Die Durchschnittsmiete steigt auch, wenn Vonovia teurer vermietete Wohnungen baut oder zukauft.

Der Konzern profitiert seit Jahren davon, dass viele Menschen in Großstädte ziehen, der Neubau kaum hinterherkommt. Zudem sind Bauzinsen historisch niedrig. Der Wohnungsbestand von Vonovia ist allein voriges Jahr um 4,9 Milliarden Euro wertvoller geworden. Für 2021 prognostiziert Buch einen weiteren Gewinnanstieg.

Dabei müht sich die Politik zuweilen, das Wachstum zu begrenzen: allen voran das Land Berlin, das Hunderttausende Mieten im vorigen Jahr zeitweise eingefroren hat; Konzerne wie Vonovia mussten zum Teil Mieten in Berlin einstweilen senken. Das Bundesverfassungsgericht will im Laufe des Jahres entscheiden, ob dieser Mietendeckel haltbar ist. Unterdessen will die SPD im Bundestagswahlkampf ein bundesweites Mietenmoratorium fordern, wie es auch der Deutsche Gewerkschaftsbund befürwortet. Dies wäre für Vonovia noch relevanter als der eine Deckel in Berlin.

Buch betont daher Nebenwirkungen: Das Angebot an Mietwohnungen ist zumindest auf öffentlichen Portalen geschrumpft. "Es ist heute schwerer, in Berlin eine bezahlbare Wohnung zu finden, als vor Einführung des Mietendeckels." Die Politik sollte den Wohnungsmangel beheben, statt Symptome zu behandeln, wirbt Buch.

Und was wäre, falls das Verfassungsgericht den Deckel kippen sollte? Würde Vonovia dann die Ersparnis zurückfordern? "Wir wissen, dass viele Mieter nicht dem Rat gefolgt sind, die Miete beiseite zu legen", sagt Buch. Sein Konzern wolle aber grundsätzlich Lösungen mit Mietern finden, die in finanzielle Probleme geraten. Das gelte nicht nur in Berlin, sondern auch allgemein während der Corona-Pandemie.

© SZ vom 05.03.2021
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