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Von Piëch abserviert:Kündigung per Zeitungsartikel

VW-Patriarch Ferdinand Piëch ist berüchtigt für seine Rausschmisse. Eine kleine Chronik der Abgänge - von D wie Demel bis W wie Wiedeking.

Hakan Samuelsson ahnte wohl, dass seine Tage als Vorstandsvorsitzender von MAN gezählt sind. Sein Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch, der auch der mächtigste Mann beim MAN-Großaktionäre VW ist, hatte einige Wochen zuvor mit der Demontage des Managers begonnen - mit ein paar Bemerkungen gegenüber Journalisten.

Ferdinand Piëchs letzter großer Rausschmiss über die Medien: Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking.

(Foto: Foto: AP)

Die Fusion von MAN und dem schwedischen Konkurrenten Scania, an dem VW ebenfalls beteiligt ist, gehe ihm nicht schnell genug voran. Das musste Samuelsson als Attacke auf sich verstehen. Er zog es am Montag vor, freiwillig zu gehen.

Piëch ist ein ungewöhnlicher Manager. Der 72-jährige Österreicher ist ein erfolgreicher Autoingenieur und extrem mächtig. Er ist das ehrgeizigste Mitglied der Familie Porsche, die Großaktionär bei VW.

Das war der Blattschuss

Von seinem Büro in Salzburg steuert der VW-Aufsichtsratschef die acht PKW-Marken des Konzerns von Audi über VW bis Skoda sowie die Nutzfahrzeug-Unternehmen Scania und MAN. Zudem hat Piëch eine merkwürdige Art, sich von Managern zu trennen. Wer nicht sein 150prozentiges Vertrauen genießt, hat es schwer. Oft sprach Piëch ihnen sein Misstrauen gegenüber Medien aus.

So konnte Vorstandschef Bernd Pischetsrieder im März 2006 im lesen, dass Piëch den Stab über ihn gebrochen habe. Der Zeitung hatte Piëch gesagt, die Wiederwahl von Pischetsrieder durch den Aufsichtsrat sei "eine offene Frage". Die Mitarbeiter im Aufsichtsrat seien gegen ihn. Das war der Blattschuss.

Pischetsrieder war mit dieser Plauderei aus dem Innenleben des VW-Aufsichtsrates erledigt. Ein halbes Jahre später musste er gehen. In Wahrheit war Piëch mit seinem Nachfolger auf dem Stuhl des VW-Vorstandsvorsitzenden unzufrieden.

Nach Brasilien geschickt

Schon einmal hatte Piëch per Interview einen Top-Manager auf den Rausschmiss vorbereitet. Im Juni 2001 sagte Piëch als VW-Chef in einem Zeitungsgespräch, bei der Tochtergesellschaft Audi gefalle ihm manches nicht. "Da herrscht Stillstand". Ein halbes Jahr später war Audi-Chef Franz Josef Paefgen aus dem Amt befördert. Paefgen ging es damit wie seinen beiden Vorgängern, die ebenfalls dem großen Chefs nicht genügten.

Franz-Josef Kortüm hatte das Pech unmittelbarer Nachfolger von Piëch als Audi-Chef zu sein. Der hielt sich nur 13 Monate, dann wurde er geschasst. Auch Kortüms Nachfolger Herbert Demel wurde schnell vom Alten abgesetzt und nach Brasilien geschickt. Das war 1997 nach nur drei Jahren im Amt. Demel galt als erfolgreicher Audi-Chef. Piëch war offenbar anderer Meinung.

Den letzten großem Rausschmiss über die Medien hatte sich Piëch in diesem Jahr geleistet. Im Mai erklärte Piëch vor Journalisten, spitzfindig, der Porsche-Chef Wendelin Wiedeking habe "noch" sein Vertrauen. Wenige Monate später musste Wiedeking gehen.

Ferdinand Piëch

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