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Volkswagen und der "Zukunftspakt":Einsteins "Dummheit"-Zitat beschreibt das Schlingern von VW

Zwei Dinge sind unendlich, sagte der Physiker: das Universum und die menschliche Dummheit. Was das mit Volkswagen zu tun hat.

Kommentar von Heribert Prantl

Zwei Dinge sind unendlich, sagte Albert Einstein, "das Universum und die menschliche Dummheit; aber beim Universum bin ich mir nicht so sicher". Einstein zeigte damit, dass er nicht nur ein genialer Physiker war, sondern auch ein Prophet zukünftiger Malaisen der deutschen Autoindustrie. Sein Satz über die Dummheit beschreibt nämlich das Verhalten des VW-Konzerns, das diesen in den Abgas-Skandal führte; der Satz beschreibt auch das schlingernde Verhalten von VW in dieser Großkrise.

Von Einstein stammt noch ein zweiter auto-prophetischer Satz, der gern als eine Art Kalauer zitiert wird, der aber das visionäre Defizit der Automobilindustrie benennt: Er denke nie an die Zukunft, soll Einstein gesagt haben, sie käme ja früh genug.

Wer die Unternehmenspolitik der Autoindustrie beim Bau von Elektro-Pkws betrachtet, könnte den Verdacht haben, dass Einsteins Zukunftssatz dort zu lange in den Vorstandbüros hing. VW versucht nun in Zeiten, die zu den unruhigsten seiner Geschichte zählen, sich ebenso heftig wie spät auf neue Zeiten einzustellen.

Das Diesel-Desaster hat den Konzern mit der Nase darauf gestoßen, dass in Verbrennungsmotoren nicht nur Treibstoff, sondern auch die goldene Zukunft verbrannt wird. Der "Zukunftsplan", eine Art späte VW-Agenda 2010, ist ein Versuch, die Zukunftsverbrennung zu stoppen. Vielleicht ist er eine positive Folge des Diesel-Skandals.

© SZ vom 19.11.2016/bbr
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