Autoindustrie:VW ist auf der Suche nach Geld

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Hohe Gewinne: Das Logo von VW am neuen elektrischen VW-Bus, der jetzt ID Buzz heißt. (Foto: Odd Andersen/AFP)

Rund 180 Milliarden Euro will der Autobauer in den kommenden fünf Jahren investieren. Doch woher soll das Kapital kommen? Jetzt wird der Teilverkauf weiterer Tochterfirmen durchgespielt.

Von Max Hägler, Berlin

Volkswagen-Chef Oliver Blume glaubt, dass in dem von ihm geführten Autokonzern ein "riesiges Potenzial" schlummert, das noch bei weitem nicht gehoben ist. Das habe die erste Bestandsaufnahme in den vergangenen Wochen gezeigt, erklärte der Vorstandsvorsitzende jetzt in Berlin. Blume führt den Konzern seit September. Im Herbst hatte er als erste große Amtshandlung die von ihm ebenfalls geleitete Tochterfirma Porsche an die Börse geführt. Der gesamte Wert des Sportwagenbauers rangiert bei gut 100 Milliarden Euro, dabei liegt die Mehrheit der Anteile weiter bei VW. Dessen Marktkapitalisierung liegt indes nur bei etwa 78 Milliarden Euro.

Vereinzelung bringt Klarheit und ist offensichtlich attraktiver für Aktionäre - auch deshalb sollen alle weiteren relevanten Marken, etwa er Autobauer Audi, einmal durchspielen, was ihr (Teil-)Verkauf über den Aktienmarkt einbringen könnte. Die ersten Ergebnisse dieser "virtuellen Börsengängen" sind offenbar ermutigend. Jedenfalls hätte sich bei einigen der Tochterfirmen die Möglichkeit zum Börsengang gezeigt, sagte Blume. Ob es dazu komme, hänge vom Liquiditätsbedarf des Konzerns für die Transformation ab. "Wir machen das sehr behutsam, dann wenn's passt, genauso wie wir das bei Porsche gemacht haben." Am 21. Juni sollen die Abschlussergebnisse Analysten und Investoren aus aller Welt vorgestellt werden - auch von deren Reaktion dürfte abhängen, welche Konzepte weiterverfolgt werden.

Das Ziel ist, bei den Kosten für Transparenz zu sorgen

Zudem will Volkswagen die Entwicklungskosten klarer auf die verschiedenen Markengruppen zuordnen, um weiter Transparenz zu schaffen und damit Kosten aber auch Leistungen der einzelnen Konzernteile zu verdeutlichen - und letztlich ihren jeweiligen Wert. Bislang ist bei der Kernmarke VW und damit am Hauptstandort Wolfsburg sehr viel Entwicklungsarbeit für alle anderen Unternehmensteile gebündelt - diese sehr hohen Kosten drücken regelmäßig die Marge der Marke (derzeit knapp vier Prozent).

Steuert sowohl die Geschäfte von VW als auch die von Porsche: Oliver Blume. (Foto: Odd Andersen/AFP)

Insgesamt hat Volkswagen im vergangenen Jahr 8,3 Millionen Motorräder, Autos, Busse und Lastwagen verkauft und damit einen operativen Gewinn von 22,5 Milliarden Euro erwirtschaftet, in dem auch der Krieg in der Ukraine eingerechnet ist: zwei Milliarden Euro hat alleine die Stilllegung des Russlandgeschäfts bislang gekostet. Im kommenden Jahr sollen es 9,5 Millionen Fahrzeuge sein, der Anteil der Elektromodelle soll dabei steigen - wobei die Verbrenner nicht außen vor bleiben soll, sondern sogar weiterentwickelt werden. Ein Drittel der 180 Milliarden Euro Investitionen, die der Konzern bis 2027 plant, sollen weiterhin in diese Antriebe fließen. Der Grund: Deren Gewinne stützten "ganz erheblich" das Geschäft, teilte VW mit.

Die Börse haben die Zahlen und die Aussichten des Gesamtkonzerns übrigens unterm Strich nicht überzeugt: Am Dienstagmittag lag die Aktie mit beinahe vier Prozent im Minus. Analysten scheinen vor allem erschreckt angesichts der gewaltigen Investitionssumme, die im Vergleich zur Vorjahresplanung um 13 Prozent angewachsen ist. Wobei: Falls das Geld nicht reicht, dürften die Börsengänge schnell umgesetzt werden.

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