Volkswagen Zuerst trifft es die Leiharbeiter

Wer also soll die milliardenschwere Zeche für den Skandal zahlen? Die da oben? Die da unten? Mehr als ein halbes Jahr, nachdem der Skandal um manipulierte Abgasmessungen bei Dieselautos hochkochte, eskaliert der Machtkampf zwischen Arbeitnehmern und Management - und das in Tagen, die für VW wegen der vielen Milliardenklagen und dem Streit mit den US-Behörden ohnehin existenziell sind.

Tatsächlich ändert sich der Konzern, bevor überhaupt erste Strafzahlungen fällig sind. Zuerst trifft es die Leiharbeiter; Verträge von mehr als 1 000 von ihnen laufen aus oder sind schon ausgelaufen. Auch Planstellen sind betroffen: Jeder zehnte Job in der VW-Verwaltung soll bis Ende 2017 wegfallen; die Rede ist von 3 000 Stellen. Und das ist wohl nur der Anfang, keiner weiß, wie viele Milliarden VW die Affäre kosten wird. Und deshalb weiß keiner, wo demnächst noch alles gestrichen wird. "Wir brauchen eine verlässliche Planung in diesen Zeiten", heißt es aus dem Betriebsrat. Daher wolle man nun einen gemeinsamen Pakt für die Zukunft. "Darin wollen wir feste Produkt-, Stückzahl- und Investitionszusagen für die nächsten Jahre festschreiben". Osterloh, der mächtige Betriebsratschef, seit 2005 im Amt, hat schon viele Manager in Wolfsburg überlebt. Jetzt bittet er den Vorstand zu Tisch. "Da mündliche Zusagen derzeit nichts wert sind, wollen wir jetzt verbindliche Verträge", sagt er. Der Ton wird rauer in Wolfsburg.

Der Konzern ist tief gespalten

Die Reaktion des Managements auf den Brandbrief: erstaunlich diplomatisch. "Wir begrüßen ausdrücklich das Verhandlungsangebot für einen langfristigen Zukunftspakt", sagte der Personalvorstand der Marke Volkswagen, Karlheinz Blessing. Dass nicht Diess selbst auf die Vorwürfe reagierte, zeigt, wie die Machtverhältnisse in Wolfsburg derzeit sortiert werden.

Hinter den Kulissen wird heftig gerungen. Um Jobs, aber auch um Boni. Für Pötsch, seit seiner Aussage von der "existenzbedrohenden Krise" so etwas wie der Apokalyptiker im Topmanagement, wurde nach SZ-Informationen bereits bei einer Aufsichtsratssitzung im September eine Sonderzahlung von mehreren Millionen Euro vereinbart. Dafür, dass der Ex-Finanzvorstand, der 2014 laut Geschäftsbericht noch 6,4 Millionen Euro verdiente, auf den weit weniger einträglichen Aufsichtsratsvorsitz wechselte. VW will das nicht kommentieren, über Vergütungsthemen werde der Aufsichtsrat in zwei Wochen entscheiden. Aber das Thema ist nun gesetzt - und der Konzern tief gespalten.

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