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Volkswagen in Italien:"Sergio, wir haben Italdesign gekauft"

Der Volkswagen-Konzern rückt mit der Übernahme des Turiner Autodesigners Guigiaro ein Stück weiter an die Weltspitze. Rivale Fiat ist alles andere als erfreut über den Deal.

Turin - Man merkt Giorgetto Giugiaro an, dass er solche Auftritte nicht gewöhnt ist. Der Autodesigner ist inzwischen 71. Sein Familienunternehmen Italdesign Giugiaro hat er jahrelang diskret geführt, Pressekonferenzen waren hier in Moncalieri bei Turin eher eine Seltenheit. Und heute ist der Saal voller Journalisten. Neben ihm sitzt VW-Chef Martin Winterkorn und sagt, dass Italdesign "ein festes Mitglied der VW-Familie" wird. Dass die Zukunft der Designschmiede in Wolfsburg "in guten Händen liegt" und die Arbeitsplätze sicher sind. "Vielen Dank, Giorgetto", sagt Winterkorn, und er spricht Giorgetto schwäbisch aus. "Mille Grazie".

Hauptversammlung Porsche Automobil Holding SE

Der Vorstandsvorsitzende der Volkswagen AG, Martin Winterkorn, gestikuliert auf der Hauptversammlung von Porsche auf dem Podium. Nach der Übernahme von Porsche und der Kooperation mit Suzuki ist das italienische Designunternehmen Italdesign Giugiaro ein weiterer Baustein im VW-Konzern.

(Foto: ag.ddp)

Giugiaro ist ein weiterer Baustein im VW-Konzern, nach der Übernahme von Porsche und der Kooperation mit Suzuki. Die Wolfsburger übernehmen über ihre Audi-Tochtergesellschaft Lamborghini Holding knapp 90 Prozent an Giugiaros Designunternehmen; die restlichen Anteile bleiben bei den Giugiaros.

Die Italiener werden somit eines von fünf Designzentren, die konzernübergreifend für alle VW-Marken arbeiten sollen. Wie viel VW für die Designschmiede mit einem Umsatz von zuletzt 107 Millionen Euro und rund 800 Mitarbeitern bezahlt, will man nicht verraten. "Was gut ist, ist auch etwas wert", sagt VW-Finanzchef Hans Dieter Pötsch. Wie viel VW auch immer für den Deal bezahlt hat - der Konzern kann ihn gut gebrauchen. VW wächst rasant, 2018 will das Unternehmen zehn Millionen Autos verkaufen und Toyota an der Weltspitze ablösen. Acht Automarken, weltweit vertreten - längst arbeiten die Kreativen unter VW-Designchef Walter de Silva hart am Anschlag. Allein für 2010 sind 70 Neuheiten geplant, dazu kommt die Expansion in Ländern wie China, Indien und den USA. VW brauche mehr Gesichter, heißt es konzernintern. Giugiaros Designtruppe soll VW nun bei der Expansion helfen.

Die Geschichte der Übernahme begann, als Giugiaro 1970 Wolfsburg bereiste. Da ahnte noch niemand, dass dies der Beginn einer langen Beziehung sein würde, die damals mit dem Golf begann und bis heute andauert. Dass VW-Patriarch und -Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch und Giorgetto Giugiaro alte Freunde sind und sich von damals sehr gut kennen, soll bei dem Deal geholfen haben. Aber es war nicht nur das. Volkswagen 2010, das ist ein Autokonzern, der italienischer ist, als viele glauben. Chefdesigner Walter de Silva, ein enger Vertrauter Winterkorns, ist gebürtiger Mailänder und war früher bei Fiat und Alfa. Und auch Luca de Meo, Marketing-Chef der Marke Volkswagen, ist Italiener. Jetzt also Giugiaro. "VW ist ein deutsches Unternehmen mit starker italienischer Prägung", sagt Winterkorn. Sein Chefdesigner de Silva formulierte es vor Wochen im SZ-Interview so: "Professor Winterkorn will deutsche Technologie, gepaart mit italienischem Design."

Noch gibt es Verträge mit anderen

Erste Projekte mit Giugiaro gibt es bereits. Klar ist, dass Giugiaro bald nur noch für VW arbeiten wird. Aber noch gibt es Verträge mit anderen. Die Designer, die den Golf gemacht haben, den Fiat Panda, den Uno und den Alfa Romeo Brera, sind noch bis ins nächste Jahr an BMW gebunden. Man kooperiert beim Mini, gleichzeitig halten die Italiener Partnerschaften unter anderem in den USA, China und Malaysia. Der Weg vom inhabergeführten Unternehmen zur VW-Tochter - für Giugiaro ist es ein schwieriger Übergang. Kunden, die aussteigen wollten, könnten aussteigen, sagt er. Man werde aber alle Aufträge mit "Vertrauen und Diskretion" abarbeiten. "Wir werden die Zusammenarbeit wie geplant fortsetzen", so ein BMW-Sprecher.

VW übernimmt italienische Design-Firma

Der Autodesigner Giorgetto Giugiaro hat sein Familienunternehmen Italdesign Giugiaro jahrelang diskret geführt, nun übernimmt VW knapp 90 Prozent der Firma.

(Foto: dpa)

Die Freundschaft mit VW, seine jahrzehntelange Beziehung zu Piëch? "Eine Freundschaft mit sehr viel Diskretion", sagt Giugiaro. Man habe aber auch mit vielen anderen zusammengearbeitet. Winterkorn lächelt und hält den Daumen hoch, als Giugiaro seinen Teil zum Thema gesagt hat. Es sind erste Szenen dieser neuen Ehe, die zeigen, dass Giugiaro schon in Wolfsburg angekommen ist. Er soll trotz der Übernahme durch VW so lange es geht Chef bleiben. Was danach kommt, ist offen. Zunächst dürfte VW einen Manager in Ingolstadt einsetzen, der sich intensiv um die Wolfsburg-Turiner Kooperationen kümmert.

Mit einem Autobauer arbeitet Giugiaro zurzeit nicht mehr zusammen, obwohl die Fabriken nur ein paar Autominuten von hier entfernt liegen. Bei Fiat soll man alles andere als erfreut darüber sein, dass sich der Rivale aus dem Norden so nah an die eigenen Fabriken heranpirscht. Viel wurde in Italien gegen den Deal polemisiert, der Verkauf der Designschmiede trifft die Italiener ins Mark. Einer, der dazu schweigt, ist Fiat-Chef Sergio Marchionne. Dafür sprechen andere. "Es würde mir leid tun, wenn ein solch wichtiger Teil der italienischen Designgeschichte nicht mehr in Italien bleibt", sagte Luca di Montezemolo, Ferrari-Präsident und damit Mitglied der großen Fiat-Familie, vor dem Verkauf. "Ich hoffe, dass alles, was auf unserem Territorium ist, auch hier bleibt", findet der Präsident der Region Piemont, Roberto Cota. Winterkorn sieht es locker. "Wir haben mit Audi eine Partnerschaft mit Bayern München. So wie das BMW aushalten muss, dass wir da sind, muss es Fiat nun aushalten, dass wir hier vor Ort sind. Wenn ich Sergio Marchionne treffe, werde ich ihm einfach sagen. 'Sergio, wir haben Italdesign gekauft '".