Volkswagen:"Hier wird auch geschummelt. Aber nicht bei den CO2-Werten"

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Volkswagen-Filiale in Düsseldorf: Andere Firmen nehmen VW in ihrer Werbung aufs Korn.

(Foto: AFP)
  • In ihren Werbekampagnen spielen zahlreiche Firmen auf den Abgas-Skandal bei Volkswagen an.
  • Kommunikationsexperten halten das für verständlich, warnen jedoch auch.
  • Andere Unternehmen wie etwa Sixt halten sich dagegen zurück, da der Autoverleiher selbst VW-Autos nutzt.

Von Pauline Schinkels

Schadenfreude über VW

Die Ausrutscher von anderen sorgen oft für Heiterkeit. Glücklich, wessen Sturz nur mit einem schelmischem Grinsen quittiert wird, schlimmstenfalls bricht alle Welt in Gelächter aus. Idealerweise aber wird dem Gestürzten unverzüglich aufgeholfen und das eigene Entgleisen entschuldigt. Auch beim VW-Skandal lacht sich das ein oder andere Unternehmen ins Fäustchen - und zeigt das offen in seinen Werbebotschaften.

So buhlt die Billigairline Ryanair in sozialen Netzwerken damit, Europas grünste und sauberste Airline zu sein. Um die Anspielung auf die Abgas-Manipulationen noch etwas deutlicher zu machen, nutzt die Fluglinie den Werbeslogan "Das Flugzeug" in Anlehnung an den VW-Claim "Das Auto". Der Wäschehersteller Mey nimmt den VW-Skandal zum Anlass, einen Push-up-BH mit dem Spruch "Hier wird auch geschummelt. Aber nicht bei den CO2-Werten" zu bewerben.

Weniger gewitzt, aber dafür um so direkter versucht es Fiat Chrysler. Der Autohersteller bietet VW-Kunden in Italien Rabatte von bis zu 1500 Euro für einen Umstieg an, wie die FAZ berichtete. Daraufhin seien die Verkaufszahlen von Fiat im September um 24 Prozent gestiegen, während die von VW in Italien um 1,4 Prozent fielen.

Gefährliches Spiel

"Wer mit dem Skandal anderer spielt, hat viele schnelle Lacher auf seiner Seite", erklärt Thorsten Hennig-Thurau, Professor für Marketing und Medien an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Schadenfreude sei schließlich sehr menschlich.

Allerdings könne provokante Werbung auch schnell ins Gegenteil umschlagen. "Wenn die werbende Firma selbst kein sauberes Image hat oder eigene Probleme bekommt, solidarisiert sich mancher Kunde leicht mit dem angegriffenen Unternehmen", sagt Henning-Thurau.

Andere halten sich zurück

Ein Unternehmen, das sonst gerne auf aktuelle Werbung setzt, hält sich im Fall VW noch galant zurück - der Autovermieter Sixt. Während des Bahnstreiks provozierte Sixt mit Werbesprüchen wie "HDGDL", das sich sowohl aus dem Namen der damals streikenden Lokführer-Gewerkschaft GDL, als auch der der Abkürzung von "Hab dich ganz doll lieb" zusammensetzt. Die Werbung verbreitete sich rasant in sozialen Netzwerken - Sixt inszenierte sich mit Humor erfolgreich als Alternative zur Bahn. Der Grund für die aktuelle Zurückhaltung des Mobilitätsdienstleisters: VW-Autos sind Bestandteile der eigenen Flotte. Stattdessen wirbt Sixt derzeit lieber damit, schneller als FC-Bayern-München-Stürmer Robert Lewandowski zu sein.

Am wenigsten Mühe mit neuer Werbung macht sich derzeit Greenpeace. Die Umweltschützer kramten einfach ein altes Video von 2011 aus dem Archiv. In dem Kurzfilm parodieren die Aktivisten den VW-Werbeclip "The Force". In dem versucht ein kleiner Junge als Darth Vader aus der Filmreihe Star Wars verkleidet, Alltagsprobleme mit dunkler Macht zu lösen. Das VW-Video war 2011 ein großer Erfolg, bei Youtube wurde "The Force" von über 62 Millionen Usern angeklickt. In der Greenpeace-Parodie sieht sich der Mini-Vader einer Rebellion von anderen Star-Wars-Figuren wie kleinen Jedi-Rittern und Droiden gegenüber. Mit der Parodie wollte Greenpeace vor vier Jahren auf den hohen CO2-Austoß der VW-Modelle aufmerksam machen. Ein Video, das den Autokonzern jetzt wieder einholt.

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