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Volkswagen:Herbert Diess ist neuer VW-Chef

Jahrespressegespräch 2017 zur Marke Volkswagen PKW

Damals noch Markenvorstand: Herbert Diess beim Jahrespressegespräch 2017

(Foto: dpa)
  • Der Automanager Herbert Diess folgt an der Spitze des Volkswagen-Konzerns auf Matthias Müller.
  • Er soll den jüngst ausgerufenen Umbau des Unternehmens in Zukunft weiter vorantreiben.
  • VW soll dank größerer Veränderungen bei Personal und Struktur übersichtlicher und besser steuerbar werden.

Es ist amtlich: Herbert Diess ist der neue Chef des Volkswagen-Konzerns. Sein Vorgänger Matthias Müller sei "im gegenseitigen Einvernehmen mit sofortiger Wirkung" als Vorstandsvorsitzender ausgeschieden. Das teilte das Unternehmen nach einer Aufsichtsratssitzung am Donnerstagabend mit.

Gleichzeitig gab Volkswagen einen umfassenden Konzernumbau in neue Markengruppen sowie die Abteilung "Region China" bekannt. VW wird künftig also deutlich weniger zentral geführt als bislang - und nach der Hoffnung des Aufsichtsrats dadurch übersichtlicher und besser steuerbar. Vor allem wichtige Entscheidungen innerhalb des Konzerns sollen beschleunigt werden, sagte Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch.

Der bisherige VW-Markenchef Diess soll den groß angelegten Umbau bei Volkswagen weiter vorantreiben. Er übernehme die Führung "in einer Phase hoher Veränderungsdynamik im Unternehmen und der gesamten Automobilindustrie", heißt es in einer VW-Mitteilung. Müller war intern stets Entscheidungsschwäche vorgeworfen worden - seinem Nachfolger wird das Gegenteil nachgesagt. Um ihn künftig zu entlasten, sollen die jeweiligen für die Markengruppen verantwortlichen Vorstandsvorsitzenden zusätzliche Führungsaufgaben im Konzern übernehmen.

Mit dem größten Umbau in der Geschichte von Volkswagen geht auch ein Stühlerücken im Vorstand einher. Neben Einkaufschef Francisco Garcia Sanz muss der bisherige Personalvorstand Karlheinz Blessing gehen. Für ihn rückt der bisherige Generalsekretär und Vertraute von Betriebsratschef Bernd Osterloh, Gunnar Kilian, in den Vorstand ein, genau wie Porsche-Chef Oliver Blume.

Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch dankte dem bisherigen Konzernchef Müller. Dessen Vertrag wäre eigentlich erst 2020 ausgelaufen. Er hatte 2015 das Zepter von Martin Winterkorn übernommen, der wegen des Diesel-Abgasskandals bei VW zurückgetreten war. Volkswagen hatte im September 2015 auf Druck von US-Behörden zugegeben, weltweit in rund elf Millionen Dieselfahrzeugen unterschiedlicher Marken eine Software zur Manipulation von Abgaswerten eingebaut zu haben. Zuletzt wurde Müller wegen seines Millionengehalts kritisiert.

Ebenfalls verkündet wurde am Donnerstagabend, dass die Nutzfahrzeugsparte Truck & Bus, zu der unter anderem die Marken MAN und Scania zählen, in näherer Zukunft an die Börse gebracht werden soll. Dafür würden nun die nötigen Voraussetzungen geschaffen, heißt es in der Meldung. Von einem Umzug des Hauptsitzes der Sparte von Braunschweig nach München, der im Laufe des Donnerstags erstmals aus Kreisen des Aufsichtsrats verlautet wurde, war vorerst noch nicht die Rede.

Die Autobranche ist mitten in einem umfassenden Wandel, hin zu alternativen Antrieben und autonomem Fahren. VW galt diesbezüglich bislang als zu schwerfällig - auch wegen der allzu zentralistischen Führung. Experten sind der Meinung, VW müsse deutlich schneller auf Entwicklungen reagieren und flexibler werden. Dazu passt eine Aussage von Herbert Diess aus der Vergangenheit: Nur "die allerwenigsten Dinge" würden im Unternehmen "so bleiben, wie sie sind", sagte er mal. Die entscheidenden Dinge zu verändern wird nun seine Aufgabe sein.

© SZ.de/vit
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