Die Auslieferungszahlen hatten zuletzt ein wenig Hoffnung gemacht, dass VW langsam aus der Krise kommt, doch das Finanzergebnis fällt jetzt doch ernüchternd aus. Der Konzern meldet am Freitagmorgen rund ein Drittel weniger Gewinn für erste Halbjahr als im Vorjahreszeitraum. In Zahlen ausgedrückt sind das rund 3,3 Milliarden Euro, die VW weniger verdiente.
Die Auslieferungen über alle Marken hinweg stiegen um 0,5 Prozent auf 4,4 Millionen Autos. Besonders bei den Elektroautos ging es nach oben, VW verkaufte rund 46 Prozent mehr Batteriefahrzeuge als im Vorjahreshalbjahr. Weil diese Modelle jedoch weniger Gewinn bringen als Verbrenner, reichte das nicht, um das Finanzergebnis zu stabilisieren.
Die Gründe für den Gewinneinbruch sind vielfältig. Da ist das schwache Abschneiden der einstigen Margengaranten des Konzerns: Audi und Porsche. In der Markengruppe „Progressive“, zu der Audi gehört, meldeten die Wolfsburger nur noch eine Gewinnmarge von 3,3 Prozent. Dabei muss man wissen, dass zu dieser Zahl auch das Abschneiden von Lamborghini und Bentley gezählt wird, die in der Regel zweistellige Margen liefern. Das Ergebnis der Marke Audi allein dürfte also noch deutlich unter diesen 3,3 Prozent liegen.
Auch bei Porsche geht es weiter bergab. Beim Sportwagenbauer, der eigentlich langfristig eine Gewinnmarge von 20 Prozent schaffen will, lag diese Zahl im ersten Halbjahr nur noch bei 5,2 Prozent – ein Absturz um mehr als zehn Prozentpunkte in nur einem Jahr. Der Gewinn von Porsche sackte von 2,9 Milliarden auf 800 Millionen Euro ab – ein Einbruch von rund 71 Prozent.

Ausgerechnet in der sonst immer gescholtenen Markengruppe „Core“, zu der die Marken VW, Škoda und Seat/Cupra gehören, lief es im ersten Halbjahr besser als bei den Premiumautos. Škoda legte sogar sein bestes je erreichtes Ergebnis vor. Die Marke schaffte eine operative Marge von 8,5 Prozent und mit rund 740 Millionen Euro das mit Abstand beste Quartalsergebnis in der Geschichte der Marke. Auf die ersten sechs Monate des Jahres gerechnet machte Škoda damit mehr Gewinn als die Luxusmarke Porsche. Dieser Erfolg dürfte auch daher kommen, dass die Tschechen zwei Probleme kaum betreffen: das schwierige China-Geschäft und Donald Trump.
Alle Prognosen sind derzeit unsicher
Für das gesamte Jahr erwartet der VW-Konzern wegen der US-Zölle und auch wegen der Schwäche bei Porsche und Audi weniger Gewinn. Der Anteil des operativen Gewinns am Umsatz dürfte 2025 nur noch zwischen 4,0 und 5,0 Prozent liegen, teilten die Wolfsburger mit. Bisher sollten 5,5 bis 6,5 Prozent übrig bleiben. Analysten hatten bereits im Schnitt weniger als fünf Prozent Marge auf dem Zettel. Der Erlös für das Gesamtjahr wird von Konzernchef Oliver Blume ebenfalls niedriger erwartet: Statt bis zu fünf Prozent Plus peilt der Manager nun noch einen Umsatz auf Vorjahresniveau an.
Alle Prognosen sind derzeit unsicher und hängen davon ab, wie sich die Zollsituation mit den USA entwickeln wird. „Wir gehen nicht davon aus, dass die Zölle nur vorübergehend sind“, sagte Oliver Blume bei einem Telefoncall mit Medien und Investoren. Man hoffe aber auf eine Einigung auf einem „ausbalancierten“ Niveau als Ergebnis der Verhandlungen. Bislang habe Volkswagen die höheren Abgaben nicht an die Kunden weitergegeben. Ob VW die Preise erhöht, hänge davon ab, wie hoch die Zölle letztlich ausfielen. Er selbst gehe von einem Zollsatz von 15 Prozent aus. Allein im ersten Halbjahr summieren sich die Belastungen für den Volkswagen-Konzern aus den Zöllen auf 1,3 Milliarden Euro. VW ist dabei nicht nur von den Zusatzabgaben auf EU-Importe betroffen, sondern auch von zusätzlichen Zöllen auf Fahrzeuge aus Mexiko, wo der Konzern ebenfalls Autos für den US-Markt baut.
Für EU-Importe will der VW-Konzern außerdem eine Sondervereinbarung erreichen. Sobald es einen Deal zwischen den USA und der EU gebe, wolle Volkswagen noch über eine spezifische Vereinbarung für den VW-Konzern reden, kündigte Blume an. Das Angebot: Direkte Investitionen in den USA in Milliardenhöhe, die dann mit den Zöllen verrechnet werden. Für jeden Dollar, den VW in den USA investiere, solle ein Dollar an Zöllen erlassen werden. Das Konzept habe man dem Handelsministerium bereits vorgestellt. Die erste Resonanz sei dort sehr positiv gewesen. „Auch sind unsere Ideen schon dem Präsidenten vorgestellt worden“, sagte der VW-Vorstandschef.
„Die Schrittfolge ist aber klar: Erst EU-US-Deal und dann werden wir als Unternehmen die Initiative ergreifen.“ Daher lasse man die eigenen Verhandlungen derzeit ruhen.

