Volkswagen "Freuen Sie sich auf Winterkorn"

VW ohne Piëch - geht das? Sicher. Bei der Eröffnung der neuen Konzernrepräsentanz in Berlin soll niemand sehen, dass alles anders ist. Dabei bekommt Vorstandschef Winterkorn Hilfe von: Robbie Williams.

Von Thomas Fromm, Berlin

Er ist da, und das allein ist ja auch schon eine bemerkenswerte Nachricht. Zwei Wochen dauerte diese Schlacht, Mann gegen Mann, und wenn es nach Ferdinand Piëch gegangen wäre, dann wäre Martin Winterkorn heute sicherlich ganz woanders als in der Berliner VW-Repräsentanz. Nun aber ist Piëch weg, der neue Aufsichtsratschef heißt Berthold Huber und kommt von der IG Metall, und alles ist ganz anders als noch vor ein paar Tagen.

Nur, dass das man das an diesem Abend nicht sehen soll. Business as usual.

VW Volkswagen - ein unregierbarer Konzern
Kommentar
Piëch-Rücktritt

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Berlin, Ecke Unter den Linden/Friedrichstraße, ein guter Ort für Großstadtpartys, vor allem nach solchen Wochen, in denen es im Konzern um alles oder nichts ging. Der 78-jährige Piëch sitzt wieder in Salzburg, der Gewinner kommt über einen Seiteneingang auf die Bühne. Der alte neue Vorstandschef lächelt, schüttelt Hände, klopft seinen Leuten auf die Schultern. Audi-Chef Rupert Stadler steht hier, Lkw-Vorstand Andreas Renschler.

Einzug der Gladiatoren - das wäre jetzt ein Moment für die ganz große Fanfare gewesen, aber der DJ spielt in diesem Moment krachigen Funk. Geht auch. Auf der Bühne steht Barbara Schöneberger im blauen Kleid und sagt: "Freuen Sie sich auf den Vorstandschef Martin Winterkorn". Äußerlich alles wie immer: Zweireiher, weißes Hemd. Was die vergangenen Wochen mit ihm gemacht haben, sieht man nicht.

Summa Summarum "Alte Männer, die nicht loslassen können" Video
Videokolumne Summa summarum
Führungsstreit bei VW

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Der Führungsstreit bei Volkswagen ist unnötig und unprofessionell. Leider ist es den beiden wichtigsten Managern nicht gelungen, geeignete Nachfolger aufzubauen. Für den VW-Konzern hat das fatale Folgen.

Winterkorn spricht über sein Leben als Schwabe und über Fußball und Frau Schöneberger macht Witze. Sie sagt zum Beispiel: "Ich bin scheckheftgepflegt und quasi der Touran unter den Moderatoren." Was für ein interessanter Vergleich. Auch Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) ist da. Gabriel redet über Industrie als solche und warum es grundsätzlich besser ist, Autos zu bauen als gefährliche Finanzprodukte zu verkaufen. Winterkorn spricht über moderne Fabriken und selbstfahrende Autos, die alleine in Parkhäuser kommen. Gabriel erzählt, dass er nur Audi fahre, dienstlich wie privat, und Winterkorn freut sich über den launigen Small Talk nach all diesen Wochen. Über Piëch, den alten Man aus Salzburg, der heute nicht hier ist - kein Wort.

Mehr Gewinn

Konzernchef Winterkorn kann mit guten Zahlen glänzen. Der Betriebsgewinn stieg im ersten Quartal überraschend stark um fast 17 Prozent auf 3,3 Milliarden Euro, teilte Volkswagen mit. Der Umsatz kletterte um mehr als zehn Prozent auf 52,7 Milliarden Euro. Zum Erfolg trugen vor allem die Tochter Audi sowie der Sportwagenhersteller Porsche bei, zusammen fuhren sie fast zwei Drittel des operativen Ergebnisses ein. Auch das Sparprogramm zeigte Wirkung: Die Marke mit dem VW-Logo, die für gut die Hälfte des Umsatzes steht, legte beim Betriebsgewinn um 16,8 Prozent auf 514 Millionen Euro zu.

Kein Wort über die vergangenen Wochen, zumindest nicht auf der Bühne. Vor der Bühne stehen ein paar Hundert Menschen, und die sprechen sehr wohl über dieses Wunder von Volkswagen. VW ohne Piëch - geht das überhaupt? Natürlich geht das. Sieht man ja heute Abend.

Volkswagen Ende eines Patriarchen
Kommentar
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Dann - "let me entertain you" - kommt Robbie Williams auf die Bühne, der neue singende Werbemann des VW-Konzerns. Singt ein paar Lieder, und dann muss auch er mit Barbara Schöneberger sprechen. Es entwickelt sich so etwas wie ein Interview. Warum arbeiten Sie jetzt für VW? "Wegen des Pensions-Plans und der flexiblen Arbeitszeiten." Im Ernst? Haha. Nein, natürlich hat er auch noch ein anderes Sprüchlein vorbereitet: "Weil ich an VW glaube." Dann lächelt er und starrt in die Kamera.

Let me entertain you! Robbie Williams als großer Ironiker, vielleicht ist das sogar das Highlight des Abends. Zu dem Zeitpunkt ist der andere schon längst wieder weg. Martin Winterkorn bleibt an diesem Abend nicht mal eine halbe Stunde, und mit Journalisten, die er sonst sucht, redet er auch nicht. Er muss zurück nach Wolfsburg, heißt es. Arbeiten.

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