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Volkswagen:Ferdinand Piëch wird zum Familienaußenseiter

Abgasaffäre: Ferdinand Piech rächt sich an der VW-Spitze - und könnte dem Konzern damit sogar helfen

Wenn bei der Hauptversammlung der Familienholding Porsche am 30. Mai der komplette Aufsichtsrat neu gewählt wird, könnte Piëch zum ersten Mal seit vielen Jahren nicht mehr dabei sein.

(Foto: dpa)
  • Ferdinand Piëch hatte vor zwei Jahren schon seinen Machtkampf gegen den damaligen VW-Chef Winterkorn und dann seinen Job als Aufsichtsratschef verloren.
  • Nun ist auch sein Posten als Aufsichtsrat bei der Familienholding Porsche SE in Gefahr.

Wenn einer wie der VW-Miteigentümer Ferdinand Piëch Milliardär und einer der wichtigsten Auto-Unternehmer der Welt ist, dann dürfte Geld keine zentrale Rolle mehr im Leben spielen. Dann kommt es auf ein paar Millionen mehr oder weniger nicht an.

Die besondere Tragik dieses Mannes, der im April 80 Jahre alt wird, hat daher wahrscheinlich auch nur wenig mit Geld zu tun. Der alte Konzernpatriarch hatte vor zwei Jahren zuerst seinen Machtkampf gegen den damaligen VW-Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn und dann seinen Job als Aufsichtsratschef und damit auch einen Großteil seines Einflusses verloren.

Was ihm am Ende blieb, war der Job als Aufsichtsrat bei der Familienholding Porsche SE. Immerhin: Mag Piëchs Stern in der VW-Galaxie auch schwer gesunken sein in den vergangenen Jahren - bei der Porsche SE, in der die Familien Porsche und Piëch ihre Beteiligungen bündeln und die rund 52 Prozent der Stimmrechte an VW hält, war er immer noch mittendrin.

Bis jetzt. Wenn bei der Hauptversammlung des Stuttgarter Milliardenunternehmens am 30. Mai der komplette Aufsichtsrat neu gewählt wird, könnte Piëch zum ersten Mal seit vielen Jahren nicht mehr dabei sein. Piëch, der Auto-Milliardär, wäre dann de facto ganz ohne Amt und Macht.

Hintergrund: Da sich die sechs Arbeitnehmervertreter aus dem Aufsichtsrat zurückziehen wollen, werden von Mai an wohl die sechs Vertreter der Kapitalseite unter sich bleiben. Nach heutigem Stand wären dies die Familienmitglieder Wolfgang Porsche, Ferdinand Piëch, Hans Michel Piëch, Ferdinand Oliver Porsche und Hans-Peter Porsche sowie der langjährige Henkel-Manager Ulrich Lehner.

Aus Konzernkreisen heißt es, sowohl Hans-Peter Porsche als auch Ferdinand Piëch könnten dann Platz machen für die nächste Generation und damit für jüngere Familienmitglieder. Für eine schrittweise Verjüngung spräche angesichts des fortgeschrittenen Alters der Herren im Kontrollgremium der Porsche SE durchaus einiges.

Möglich ist aber noch eine ganz andere Version der Dinge: Zuletzt ist der Streit zwischen Piëch und dem Rest der Familie eskaliert; es herrscht Schweigen im großen VW-Clan. Er sei schon froh, wenn ihm Piëch überhaupt die Hand gebe, sagte VW-Großaktionär und Piëch-Cousin Wolfgang Porsche vor einigen Tagen am Rande des Genfer Autosalons. Verwandte könne man sich eben nicht aussuchen.

Der 73-jährige, stets ruhige Enkel des Konzerngründers Ferdinand Porsche und sein machtbewusster Vetter könnten unterschiedlicher nicht sein, und zuletzt war es Porsche, der in Genf durchblicken ließ, dass Piëch zunehmend isoliert in der Familie sei.

Weggefährten schwer belastet

Was den Clanchef der Porsches wohl am meisten mitnahm: Dass Piëch seine langjährigen Weggefährten bei der Staatsanwaltschaft schwer belastet hatte. Nicht nur Winterkorn, auch Aufsichtsratskollegen wie Porsche oder Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) will er schon im Frühjahr 2015 über den Dieselskandal informiert haben. Piëch gegen den Rest der VW-Welt - die Einlassungen des alten Mannes hatten Schockwellen durch den Konzern getrieben. Will man ihn deshalb nun bei der Porsche SE loswerden?

Bis Mitte April nun muss die Einladung zur Hauptversammlung rausgehen - und damit auch die Namensliste derjenigen, die sich zur Wahl stellen. Bis dahin also muss auch geklärt sein, ob es Piëch noch einmal macht. "Wer sich zur Wahl stellt und wer nicht, das wird bis dahin geklärt werden müssen", bestätigte ein Sprecher. Mit anderen Worten: Die nächsten Wochen könnten für die Familien noch sehr turbulent werden.

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