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Volkswagen:Drängende Fragen an Diess

VW-Chef Herbert Diess 2020 in Wolfsburg

Die Schutzmaske wird VW-Chef Herbert Diess bei der Aufsichtsratsitzung wenig helfen.

(Foto: Getty Images)

Der VW-Chef steht massiv unter Druck. Die Aufsichtsratssitzung am Nachmittag könnte für ihn sehr unangenehm werden.

Große Aufregung bei Volkswagen. Vor der Aufsichtsratssitzung am Nachmittag gab es Gerüchte, der mächtige Betriebratschef Bernd Osterloh habe sich mit der IG Metall verbündet und plane, den Konzernchef Herbert Diess aus dem Amt zu putschen. Noch vor Beginn der Sitzung ließ Osterloh das dementieren. Aber klar ist, der VW-Chef wird sich ein paar verdammt harte Fragen gefallen lassen müssen. Diese Sitzung wird richtig ungemütlich für ihn.

Zuletzt machte VW wieder viele Schlagzeilen rund um die Dieselaffäre - der Bundesgerichtshof verdonnerte den Konzern zu Schadensersatzzahlungen, zudem kaufte der Konzern seine beiden wichtigsten Manager, Konzernchef Diess und Aufsichtsratsboss Pötsch, aus den Ermittlungen rund um den Vorwurf der Marktmanipulation frei. Das brachte VW viel Kritik ein. Aber weitaus schlimmer als der Imageschaden, der aus der ganzen Causa Diesel immer noch entsteht, sind für den Konzern die Probleme mit seinen beiden wichtigsten Autos: Sowohl beim Golf VIII als auch beim Elektroauto ID.3 gibt es massive Probleme. Und anders als bei der Dieselcausa fallen diese beiden Autos ganz klar in die Verantwortung des Konzernchefs Diess.

Die Auslieferung des Golf VIII musste zuletzt gestoppt werden, weil der automatische Notruf nicht funktioniert. Das ist kein Schönheitsfehler, sondern ein sicherheitsrelevantes Problem: Die Notruffunktion ist für Neuwagen vorgeschrieben.

Noch übler ist die Lage beim Prestigeobjekt ID.3. Die Software für die Autos ist extrem unzuverlässig, zuletzt war aus dem Konzernumfeld zu hören, der ID.3 scheitere derzeit an simpelsten Aufgaben, das Betriebssystem fahre nicht einmal zuverlässig hoch. Volkswagen hat die Probleme bereits eingeräumt: Der ID.3 werde erstmal nur in einer abgespeckten Software-Version auf den Markt kommen, hieß es. Das ursprüngliche Ziel, dem Elektro-Pionier Tesla Konkurrenz zu machen? Unerreichbar fern.

Vor diesem Hintergrund wächst nun nicht nur beim Betriebsrat die Skepsis gegenüber Konzernchef Diess. Er wurde als Nachfolger des schnell gescheiterten Matthias Müller im April 2018 als Vorstandschef eingesetzt, zuvor leitete er aber bereits knapp drei Jahre die Kernmarke VW. Die beiden wichtigsten Autos gehören also seit fünf Jahren zu seinem Verantwortungsgebiet. Und sie laufen nicht, beide.

Zentrale Figur ist der Betriebsratschef Osterloh, der heimliche Herrscher des VW-Konzerns

Die Vertreter der Eigentümerfamilien im Aufsichtsrat stünden nach wie vor zu Diess, heißt es im Konzernumfeld. Sie hätten aber "drängende Fragen". Tatsächlich spricht vieles gegen eine sofortige Ablösung des Vorstandschefs: Beim letzten Chef-Wechsel habe es ein halbes Jahr gedauert, bis der Konzern wieder voll handlungsfähig gewesen sei, erzählt einer aus dem Konzern. Das könne sich VW mitten in der Coronakrise nicht leisten. Zudem wäre Diess bei einer schnellen Entlassung der zweite Kurzzeitchef nach dem unglücklich agierenden Müller. Da würde sich die Frage aufdrängen, ob es wirklich immer an den Vorstandschefs liegt, oder ob der Laden in Wolfsburg schlicht unregierbar ist.

Zentrale Figur im Wolfsburger Machtspiel ist jedenfalls der Betriebsratschef Osterloh. Der demonstriert seinen Einfluss gerne öffentlich. Nicht umsonst nennt man ihn den heimlichen Herrscher im Konzern. Über den Golf VIII etwa hieß es in der Mitarbeiterzeitschrift des Betriebsrats: "Anlauf missrät wie noch nie - Vorstand taucht weiter ab". Das ist nahe an der Höchststrafe und eher Kriegserklärung als konstruktive Provokation.

Ob die Gerüchte um eine Ablösung Diess' am Donnerstag auch tatsächlich von der Betriebsratsseite kamen, ist unklar. Aus dem Umfeld des Vorstandsvorsitzenden ist man jedenfalls verärgert: Wieso agiere man so hinterzimmerhaft, zumal in einer so schwierigen Phase für die Industrie und auch das Unternehmen? Es würde schon seit Wochen gestichelt, statt konstruktiv zu arbeiten, meckert die Diess-Fraktion.

Bleibt die Frage: Kann man so noch zusammenarbeiten? Diess und Osterloh waren von Anfang an ein explosives Duo. Man richtete sich öffentlich Unfreundlichkeiten aus, nur um sich dann demonstrativ wieder zusammenzuraufen. Bis zur nächsten Verbalschlacht, auch ein "Hintern" spielte da schon mal eine Rolle.

Aber, die beiden sind wohl aneinander gekettet. Osterloh kann faktisch nicht rausgeschmissen werden. Und Diess? Der sei jedenfalls "eigentlich keiner, der hinschmeißt", heißt es am Donnerstagmittag aus seinem Umfeld. Mit der Betonung auf "eigentlich".

© SZ
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