Automobilkonzern:Einige sprechen schon vom größten Umbau der Konzerngeschichte

Es gehe darum, einen Ausgleich zwischen den Interessen herzustellen, sagen an dem Vorgang Beteiligte. Nur eines wird es wohl nicht geben: eine Rückkehr in die alten MAN-Büros in der Münchner Ungererstraße. Zum einen, weil die in der Zwischenzeit an Audi vermietet wurden. Zum anderen, weil man ein Signal für einen Neuanfang in München setzen wolle. Dafür sondiere man jetzt einen ganz neuen Standort. Ab Anfang 2019 soll das Nutzfahrzeuggeschäft dann unabhängig werden.

Die einen sprechen vom größten Umbau der Konzerngeschichte. Von anderen heißt es, sie seien vom Stil des Führungswechsels in Wolfsburg "entsetzt" gewesen.

Diess, der Mann, der erst 2015 von BMW als VW-Markenchef nach Wolfsburg wechselte, hat einen Ruf in der Branche: hart in den Verhandlungen, strategisch-kalkulierend im Umgang, und durchaus ambitioniert. Offenbar will der Neue auch seine Konzernvorstände mit mehr Macht ausstatten - sie sollen eine stärkere Koordinierungsfunktion bekommen, heißt es.

Von einer Art "Paten" spricht man derzeit auch im Konzern: Es soll wieder einen Produktionsvorstand geben, der alle Fabriken der zwölf Marken überblickt. Den Job übernimmt der amtierende Porsche-Chef Oliver Blume, der in seinen gut zwei Jahren in Stuttgart in seinen Job gewachsen ist und den sie nun auch als möglichen VW-Vorstandschef sehen - im kommenden Jahrzehnt. Blume wird in den Vorstand aufrücken, und neben dieser eher ehrenvollen Schulterklappe eben auch über Stuttgart hinaus arbeiten. Ebenso soll einer der bisherigen Vorstände das Thema Vertrieb aller Marken koordinieren. Hier gewinnt einer, der in der Ära Matthias Müller wegen der Dieselaffäre immer in die Kritik geraten war: Rupert Stadler, Audi-Chef.

Zu den Gewinnern zählen auch der einflussreiche Betriebsratsvorsitzende Bernd Osterloh. Er darf seinen engsten Mitarbeiter Gunnar Kilian in den Vorstand schicken, wo er zum neuen Arbeitsdirektor befördert wird. Insofern: Es gibt Menschen, die nach diesem Umbau ihre Macht behalten. Andere, die sie verlieren. Und wieder andere, die sie massiv ausbauen können. Ob dieser Konzern am Ende dann wirklich ein erneuerter Konzern sein wird, wird man erst in den kommenden Monaten und Jahren sehen.

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