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Cloud-Kooperation:Volkswagen und Amazon stehen vor weitreichender Zusammenarbeit

Amazon soll die Werke und Lager des VW-Konzerns miteinander vernetzen.

(Foto: dpa/AFP)
  • Der deutsche Fahrzeugkonzern und das IT-Unternehmen aus den USA planen nach Informationen der SZ eine strategische Kooperation.
  • Angedacht ist offenbar eine Art "Industrie-Cloud", bei der das Softwareunternehmen die 122 Werke und Lager des Konzerns vernetzt.

Der Volkswagen-Konzern will offenbar eine weitgehende Partnerschaft mit dem Internet-Unternehmen Amazon eingehen. Wie aus dem Fahrzeugkonzern zu hören ist, soll Amazon entscheidend helfen, die Produktivität von Volkswagen-Fabriken zu erhöhen. VW-Chef Herbert Diess hatte zuletzt als Ziel vorgegeben, dass die Konzernwerke bis zum Jahr 2025 um ein Drittel produktiver arbeiten sollen. Unter der Führung des Fahrzeugbauers aus Wolfsburg produzieren 122 Fabriken in aller Welt Fahrzeuge - darunter die Marken Audi, Lamborghini, Škoda, Scania oder eben VW.

Diess hat zuletzt deutlich gemacht, dass der Konzern mit seinen 650 000 Mitarbeitern unter massivem Druck von neuen Wettbewerbern steht und seiner Ansicht nach sogar ums Überleben kämpft. Auch aus diesem Grund ging er zuletzt immer wieder Kooperationen mit anderen großen Unternehmen ein. So will er mit dem US-Fahrzeugkonzern Ford unter anderem Kleintransporter bauen und Fahrassistenzsysteme entwickeln. Bei einem Treffen mit Microsoft-Vorstandschef Satya Nadella erklärte Diess jüngst in Berlin, dass der Softwarehersteller mithelfen soll bei Anwendungen für Autofahrer.

In der vergangenen Woche dann veröffentlichte Diess schließlich ein Selfie mit Amazon-Chef Jeff Bezos auf dem Internetportal LinkedIn. Der Beitrag ging in der vergangenen Woche beinahe unter, weil Diess sich unter anderem Diskussionen mit Arbeitnehmern im VW-Stammwerk Wolfsburg stellen musste, bei denen es um Jobstreichungen ging. Aber wie nun deutlich wird, war Diess nicht nur zum Spaß bei der sogenannten "Mars"-Konferenz von Bezos, bei der sich jüngst allerlei Technik-Denker zusammenfanden. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung vereinbarten die beiden dort eine strategische Partnerschaft zu einer Art "Industrie-Cloud", deren Details alsbald bekannt gegeben werden sollen.

Jeff Bezos und Herbert Diess

Ziemlich beste Freunde? Amazon-Chef Jeff Bezos (li.) und VW-Chef Herbert Diess.

(Foto: Privat)

Das US-Unternehmen ist bislang vor allem bekannt für seine Internet-Handelsplattform, doch hat es auch eine der leistungsfähigsten Clouds der Welt. Darunter versteht man gebündelte Server, die aus verschiedenen Teilen der Welt ihre Daten beziehen können und zentral verarbeiten. Offenbar will nun auch VW diese Rechenkapazitäten nutzen, um dem eigenen Effizienzziel näher zu kommen. Möglich werden könnte dies auch durch eine massive Vernetzung, bei der Amazon die Anlagen, Zulieferungen und Lager zusammenschaltet. Die verschiedenen Fahrzeugfabriken in aller Welt und ihre Lager arbeiten derzeit mit völlig unterschiedlichen Software-Systemen, die einen Überblick schwierig machen. Die vielen Tausend Lieferanten wiederum sind zwar meist angebunden an die Werke und bekommen so Aufträge, aber auch diese Systeme sind derzeit nicht einheitlich. Die Zentrale in Wolfsburg hat so keinerlei Live-Übersicht über die Fahrzeugauslieferungen, Montagebänder und Probleme in den eigenen Arbeitsstätten.

Die Pressestelle des VW-Konzerns lehnte einen Kommentar dazu ab. Andererseits hört man, dass Diess und Bezos bereits beim Weltwirtschaftsgipfel in Davos länger zusammensaßen. Und zu dem Selfie-Bild schrieb Diess: "Freue mich, gemeinsam die Zukunft zu gestalten." Samt Raketen-Symbol dahinter.

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