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Volkswagen:Abspecken für die Zukunft

Volkswagen

Weil die Konzernbürokratie digitalisiert wird, sollen Tausende Jobs in der VW-Verwaltung wegfallen.

(Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa)

Volkswagen will bei seiner Kernmarke bis zu 7000 Jobs abbauen.

Die Kernmarke VW ist ja so etwas wie das Herz des Mutterkonzerns Volkswagen, allerdings eines mit Schwächen. Seit Jahren müht man sich in Wolfsburg, Absatz und Produktivität zu steigern, mit mäßigem Erfolg. Nun verschärft der Konzern den Sparkurs bei der Marke. Bis zu 7000 Stellen sollen in den kommenden fünf Jahren abgebaut werden. Das bestätigte das Unternehmen bei der Jahrespressekonferenz.

Der geplante Stellenabbau betrifft keine Jobs in der Fertigung, sondern ausschließlich Verwaltungsbereiche - etwa Finanzen, Beschaffung oder Personalwesen. Die Kürzungen sollen über die demografische Entwicklung abgefangen werden, betriebsbedingte Kündigungen soll es nicht geben. Mitarbeiter aus den geburtenstarken Jahrgängen 1962 bis 1964 kämen demnächst für Altersteilzeitregelungen in Frage, sagte VW-Personalvorstand Gunnar Kilian. Die Jobs, die nicht mehr nachbesetzt werden sollen, betreffen hauptsächlich den Standort Wolfsburg. Etwa 11 000 Mitarbeiter kämen für Ruhestand oder Altersteilzeit im angestrebten Zeitraum in Frage.

Die Autoindustrie spürt die fortschreitende technologische Entwicklung gleich in zweifacher Hinsicht. Da ist zum einen die Umstellung von Verbrenner- auf Elektro-Autos. Dieser Wandel verändert die Herstellungsprozesse und wird Arbeitsplätze in der Produktion kosten. Denn die Fertigung eines E-Autos, so rechnet VW, verlangt nach etwa 30 Prozent weniger Personal als die eines Autos mit herkömmlichem Antrieb. Gleichzeitig brauchen die Autohersteller mehr Softwareentwickler, denn die neue Mobilität macht Autos eben auch zu fahrenden Computern, die ständig nach Updates verlangen. Das ändert die Beschäftigungsstruktur in der Branche grundlegend.

Zum zweiten aber verändert die Digitalisierung auch Verwaltungsabläufe, da geht es Autokonzernen wie VW wie Unternehmen aus fast allen anderen Branchen. Dieser zweite Aspekt spiegelt sich nun in den Plänen zum Jobabbau im Verwaltungsbereich wider. Dass bei VW mittelfristig auch der erste Faktor zum Tragen kommen wird, machte VW-Chef Herbert Diess bereits tags zuvor deutlich: Man müsse offen über "die Folgen" der E-Mobilität sprechen, sagte Diess. Es werde "schwer", diesen Aspekt des Fortschritts "nur mit Fluktuation und Altersteilzeit zu schaffen".

Bis es soweit ist, reichen aber schon die aktuellen Pläne zur Stellenreduktion, um bei Arbeitnehmervertretern für schlechte Stimmung zu sorgen. Er sehe die Pläne zum Jobabbau "sehr kritisch", ließ Bernd Osterloh, Chef des Konzernbetriebsrats, wissen. Bislang habe ihm der Vorstand nicht erläutern können, wie er auf die Größenordnung von bis zu 7000 Stellen käme. "Hirngespinste von externen Unternehmensberatungen" werde er "sicher nicht" akzeptieren, sagte Osterloh. "Klar ist: Bei Volkswagen werden nur Arbeitsplätze abgebaut, wenn die Tätigkeit dahinter tatsächlich wegfällt. Einer Fremdvergabe werden wir nicht zustimmen." Osterloh warnte vor einer Zwei-Klassen-Gesellschaft bei den Mitarbeitern: Wenn es Altersteilzeitangebote in der Verwaltung gebe, müsse das auch in der Produktion gelten.

Die Marke VW will bis 2023 etwa 19 Milliarden Euro in Zukunftsthemen wie E-Antrieb, neue Mobilitätsdienste und Digitalisierung investieren. Deshalb verschärft Diess den Sparkurs: VW kann sich die Investitionen nur leisten, wenn die Produktivität steigt. 2022 sollen sechs Prozent vom Umsatz als operativer Gewinn hängen bleiben - 2018 waren es weniger als vier Prozent.