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Lauschaktion bei VW:Wo Misstrauen regiert

Volkswagen

Wolfsburg: Das Volkswagen-Logo leuchtet an einem Werksgebäude.

(Foto: dpa)

Dass vertrauliche Strategiesitzungen heimlich mitgeschnitten werden, ist selbst für VW-Verhältnisse neu. Für das nötige Miteinander in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist die Affäre Gift.

Kommentar von Max Hägler

Volkswagen ist Deutschlands schillerndster Konzern. Die Rotlichtreisen für Betriebsräte vor 15 Jahren und natürlich der Abgasskandal seit 2015. Dazu Intrigen und Machtspiele, die in dem größten Industrieunternehmen Europas gern geübt werden - zuletzt schien mal wieder ein Konzernchef kurz vor dem Rauswurf. Doch dass vertrauliche Strategiesitzungen viele Stunden lang heimlich mitgeschnitten werden und das Material seinen Weg nach draußen findet, das ist selbst für Wolfsburger Verhältnisse neu.

In den Treffen ging es darum, wie VW wegen der Forderungen eines überaus robust auftretenden Zulieferers namens Prevent in Not ist. Der Streit ist altbekannt und wird durch die Audiodateien, die das Magazin Business Insider zugespielt bekam, noch anschaulicher. Die Abwehrüberlegungen bei VW - etwa die mögliche Hilfe durch Altkanzler Schröder - erscheinen aber nicht illegitim angesichts dessen, dass der Zulieferer die Bänder per Lieferstopp zum Stillstand gebracht hatte. Da kämpfen zwei mit harten Bandagen.

Was indes wirklich problematisch ist für Volkswagen, ist das Abhören an sich. Statt einem nötigen Miteinander gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten wird nun Misstrauen regieren: Kann ich diesem oder jenem Kollegen vertrauen? Und wieso fummelt der eigentlich ständig an seinem Handy rum?

© SZ vom 27.07.2020

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