Wieder einmal muss eine Volksbank für riskante Geschäfte einen hohen Preis zahlen: Die Volksbank Braunschweig Wolfsburg (Brawo) hat für das Geschäftsjahr 2025 Wertberichtigungen in Höhe von 608 Millionen Euro vorgenommen. Das Institut hatte sich mit Immobilien- und Beteiligungsgeschäften übernommen und musste nun mit einer Garantie in Höhe von 473 Millionen Euro von der Sicherungseinrichtung des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) und durch die Auflösung von Risikoreserven gestützt werden. Zudem stärkt die Sicherungseinrichtung durch die Zeichnung von Geschäftsguthaben im Volumen von bis zu 250 Millionen Euro das Eigenkapital des Instituts, damit die aufsichtsrechtlichen Kapitalanforderungen eingehalten werden.
„Bankferne Geschäfte“ brachten Verluste
„Durch die Garantien werden bestehende Risiken abgeschirmt mit der Folge, dass ein ausgeglichenes Jahresergebnis ausgewiesen werden kann“, sagte Lars Berkefeld, Interims-Vorstandssprecher der Volksbank Brawo am Dienstag. Der durch die Stützung erzielte Überschuss beträgt 187 000 Euro. „Das bisherige Geschäftsmodell und die Geschäftsstrategie müssen auf Basis des enormen Wertberechtigungsbedarfs grundsätzlich überarbeitet werden“, sagte Berkefeld. 96 Prozent der Wertberichtigungen entfielen auf bankferne Geschäftsfelder, vor allem auf Immobiliengeschäfte.
Der langjährige Brawo-Vorstandschef Jürgen Brinkmann hatte aus der Volksbank einen kleinen Konzern mit ungewöhnlich vielen Beteiligungen geformt. Er musste im Mai seinen Posten räumen. Zur Gruppe gehört unter anderem das Hofbrauhaus Wolters. Die Volksbank Brawo wurde 2021 alleiniger Eigentümer. Rund fünf Jahre später stellte die Brauerei einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung. Eine weitere Tochter mit Problemen war die Factoring-Firma Jitpay Financial, die im vergangenen Jahr die Einstellung ihres Betriebs angekündigt hatte. Während die meisten Genossenschaftsbanken hauptsächlich in ihrer jeweiligen Heimatregion tätig sind, machte die Volksbank Brawo sogar bei der Entwicklung luxuriöser Villen auf der spanischen Insel Mallorca mit. In Deutschland begann die Gruppe im vergangenen Jahr mit den Abriss- und Bauarbeiten für einen großen Immobilienkomplex in Wolfsburg, den Brawo Arkaden.
Immer wieder kommen Volksbanken in Schwierigkeiten
Die Banken des Genossenschaftssektors sind eine tragende Säule der deutschen Finanzbranche. Sie gehören in der Regel ihren Kunden und stehen daher weniger unter Druck, hohe Gewinne erwirtschaften zu müssen. Dennoch mussten in den vergangenen Jahren mehrere Genossenschaftsbanken aufgrund riskanter Geschäfte von der genossenschaftlichen Sicherungseinrichtung gestützt werden, darunter die VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden, die Volksbank Dortmund-Nordwest und die Raiffeisenbank im Hochtaunus. In vielen Fällen handelt es sich um Institute, die sich mit Immobilien verspekuliert hatten.
Der Notfalltopf der Sicherheitseinrichtung ist nach mehreren verlustreichen Skandalen inzwischen erheblich geleert. Insgesamt mussten die Volksbanken bereits Schäden in Höhe von 1,5 Milliarden Euro ausgleichen. Zwar verfügen die Volksbanken in ihren Bilanzen insgesamt über hohe stille Reserven, also Rücklagen, die nicht unmittelbar sichtbar sind. Gleichwohl ächzen gerade viele kleinere Institute unter den hohen Regulierungskosten.

