Vodafone und Deutsche Telekom:Surfen soll klimafreundlicher werden

Rechenzentrum des Internetdienstanbieters  1&1

Die Rechenzentren der Telekomkonzerne verbrauchen rund um die Uhr viel Energie.

(Foto: Uli Deck/dpa)

Netze und Rechenzentren brauchen viel Strom und verursachen Treibhausgasemissionen. Wie Telekommunikationskonzerne ihre CO₂-Bilanz verbessern wollen.

Von Benedikt Müller-Arnold, Düsseldorf

Die Mobilfunkantenne schluckt Strom, der Verteilerkasten für das Festnetz sowieso - und dann wachsen die Netze auch noch immer weiter, weil Privatleute und Firmen mehr und mehr Daten verschicken: Telekommunikation ist energieintensiv, obgleich man das beim Surfen oder Chatten vielleicht gar nicht denkt. Solange der viele Strom für Netz und Rechenzentren aus Kohle- oder Gaskraftwerken stammt, schadet Telekommunikation dem Klima.

Die Firma Vodafone stellt dem nun einen Zwei-Stufen-Plan für die nächsten Jahre entgegen. "Er macht uns klimaneutral bis 2025", sagt Vodafone-Deutschlandchef Hannes Ametsreiter, "und völlig emissionsfrei bis 2040". Der Mobilfunk- und Kabelkonzern will sein Vorhaben an diesem Donnerstag ankündigen.

Demnach will Vodafone Deutschland an eigenen Standorten bis 2025 auf eine Versorgung mit Ökostrom umsteigen. Wo das Unternehmen nur Mieter ist und den Stromversorger nicht selbst wählen kann, will es entsprechende Zertifikate kaufen, damit die benötigten Mengen Strom wenigstens andernorts aus erneuerbaren Quellen erzeugt und ins Netz eingespeist werden.

Wind- und Solaranlagen sollen Mobilfunkmasten versorgen

Zudem arbeitet Vodafone mit dem Berliner Start-up Mowea zusammen, das kleine Windräder etwa an Mobilfunkmasten nachrüstet. Erste Tests dieser Technologie seien erfolgreich verlaufen, teilt die Telekommunikationsfirma mit, daher plane man einen größeren Einsatz vom kommenden Jahr an. An Antennenstandorten mit wenig Wind sollen künftig Solaranlagen Strom erzeugen. Darüber hinaus will Vodafone zumindest die Hälfte der eigenen Fahrzeugflotte bis 2025 auf Hybrid- und Elektroautos umgestellt haben.

Mit all diesen Vorhaben will der Konzern seinen CO₂-Ausstoß im ersten Schritt um etwa 92 Prozent reduzieren. Die restlichen Emissionen will Vodafone zunächst durch Klimaschutzprojekte an anderer Stelle kompensieren. Hierfür können Unternehmen beispielsweise international Aufforstungen mitfinanzieren. Entsprechende Zertifikate bescheinigen ihnen dann den positiven Effekt der neuen Wälder für das Klima.

In einem zweiten Schritt will Vodafone auch auf Lieferanten und Ausrüster zugehen, beispielsweise Hersteller von Smartphones und Funkantennen, damit deren Produkte nicht indirekt der Klimabilanz der Telekommunikationsfirma schaden. Wenn man Lieferanten auswähle, beziehe sich ein Teil der Vergabekriterien fortan auf den Klimaschutz, kündigt Vodafone an.

Dass Hersteller wie Apple ebenfalls klimaneutral werden wollen, hilft den Telekommunikationskonzernen

Der große Konkurrent von Vodafone, die Deutsche Telekom, hatte bereits Anfang dieses Jahres bekanntgegeben, dass er den Strom für sein Netz in Deutschland schon jetzt vollständig aus erneuerbaren Quellen beziehe. "Ab dem kommenden Jahr soll das für den Energieverbrauch konzernweit gelten", sagte Vorstandschef Tim Höttges. Die Telekom setzt dafür beispielsweise auf eigene Solaranlagen oder schließt Abnahmeverträge mit Ökostromerzeugern ab.

"Bis 2030 wollen wir unseren CO₂-Ausstoß um 90 Prozent reduzieren", so Höttges. Dafür muss der Konzern sowohl seine Fahrzeugflotte weiter sukzessive auf Elektroantriebe mit Ökostrom umstellen als auch Gebäude energetisch sanieren und klimaschonender beheizen. Zudem spreche die Telekom mit Ausrüstern darüber, die Klimabilanz von deren Zulieferprodukten zu verbessern. Dabei helfen den Konzernen Ankündigungen wie etwa die von Apple: Der Smartphone-Hersteller hat diesen Sommer mitgeteilt, dass er bis 2030 klimaneutral werden wolle.

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