Telekommunikation:Vodafone-Chef muss gehen

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Telekommunikation: Vodafone-Chef Nick Read, hier 2019 bei der Fachmesse Mobile World Congress in Barcelona, gibt sein Amt zum Jahreswechsel ab.

Vodafone-Chef Nick Read, hier 2019 bei der Fachmesse Mobile World Congress in Barcelona, gibt sein Amt zum Jahreswechsel ab.

(Foto: Luis Gene/AFP)

Bei dem britischen Konzern läuft es nicht rund. Besonders in Deutschland schneidet die Konkurrenz deutlich besser ab. Nun zieht Vodafone die Konsequenz.

Von Helmut Martin-Jung

Erst der Deutschland-Chef weg und nun auch der Chef der britischen Konzernmutter. Bei dem Telekommunikationskonzern Vodafone läuft es alles andere als rund. Hannes Ametsreiter, der die Geschäfte der Briten in Deutschland leitete, schied bereits zum Juli aus. Zum Jahreswechsel folgt ihm nun sein Chef Nick Read nach.

Der hatte nach der Verkündung schlechter Quartalszahlen Mitte November noch ein Sparprogramm angekündigt, mit dem die Kosten bis 2026 um eine Milliarde Euro gesenkt werden sollten. Doch nur drei Wochen später teilt Read in der üblichen Verlautbarungsprosa mit, er sei "mit dem Vorstand übereingekommen, dass jetzt der richtige Zeitpunkt für die Übergabe an eine neue Führungspersönlichkeit ist, die auf den Stärken von Vodafone aufbauen und die bedeutenden Chancen der Zukunft nutzen kann".

Nach Stärken muss man bei Vodafone derzeit aber suchen, stattdessen finden sich allenthalben Minuszeichen. Als einer der Hauptgründe für das schlechte Abschneiden von Vodafone wird das schwächelnde Deutschland-Geschäft genannt. Allerdings war in der Branche schon länger gemunkelt worden, dass die britische Konzernmutter aus Kostengründen Dienstleistungen zentralisieren, aber nicht genügend investieren wolle. Ametsreiter, der sieben Jahre Chef von Vodafone Deutschland war, trauern daher viele im Unternehmen nach. Sein Nachfolger, der Belgier Philippe Rogge, davor bei Microsoft, hat kein leichtes Amt übernommen.

Schlecht lief es für Vodafone in Deutschland zuletzt vor allem im Breitbandgeschäft. Bei Kabelanschlüssen für TV-Empfang laufen dem in Düsseldorf beheimateten Unternehmen regelrecht die Kunden weg. Im dritten Quartal verlor es 86 000 Kunden und kommt nur noch auf gut 13 Millionen Anschlüsse. Vor zwei Jahren waren es fast noch eine halbe Million mehr. Auch beim Internet über TV-Kabel sowie bei DSL-Anschlüssen stehen rote Zahlen, 19 000 Kunden sprangen ab. Dazu häuften sich Beschwerden über schlechte Servicequalität.

Die Konkurrenz zieht Vodafone davon

Zu denken geben muss Vodafone auch das im Vergleich zur Konkurrenz schwache Abschneiden beim Mobilfunk. Zwar gewannen die Düsseldorfer etwa 65 000 Vertragskunden dazu, doch bei der Deutschen Telekom waren es 142 000 und bei Telefónica sogar 304 000. Bei Mobilfunk-Netztests schneidet Mitbewerber Telefónica mittlerweile fast genauso gut ab wie Vodafone, während die Telekom klar führt.

Da Deutschland Vodafones wichtigster Markt ist, schlägt das Ergebnis hierzulande natürlich voll auf die Konzernbilanz durch. Doch auch in weiteren europäischen Ländern wie Italien und Spanien blieb Vodafone unter den Erwartungen. Konzernchef Nick Read versuchte zwar gegenzusteuern und wollte große Deals abschließen, doch kaum einer davon kam wirklich zustande.

Die Geschäfte übernimmt nun vorübergehend die Finanzchefin Margherita Della Valle, während der Aufsichtsrat eine neue Chefin oder einen neuen Chef sucht. Auf den oder die Neue kommt eine schwierige Aufgabe zu. Es gilt, Kosten zu sparen und zugleich den Ausbau der Netze voranzutreiben. In Deutschland könnte dazu noch eine weitere Frequenzversteigerung drohen, was weitere Kosten verursachen würde. Die schlechten Nachrichten machen sich auch auf dem Aktienmarkt bemerkbar. Schon seit längerem befindet sich der Aktienkurs von Vodafone auf Talfahrt. Nun rutschte er weiter ab und liegt knapp über einem Euro, 2015 waren die Aktien fast dreieinhalb Mal so viel wert.

Die angepasste Strategie ging nicht auf

Nick Read hatte durchaus versucht, den Negativtrend zu stoppen und Geld in die Kassen zu bringen. Er stimmte zum Beispiel dem Verkauf eines Teils der erst vor kurzem abgespaltenen Tochter Vantage zu. Dem Unternehmen gehören die Mobilfunkmasten von Vodafone. Außerdem verkaufte er Firmen in Ungarn, Neuseeland und Malta - als eine Art Rückbesinnung auf das Kerngeschäft in den Industrieländern Europas.

Doch bislang ist der Plan nicht aufgegangen. Vodafones schlechte Performance in Deutschland wird besonders deutlich, wenn man die Ergebnisse der Konkurrenz danebenstellt. Die Telekom etwa steigerte im dritten Quartal die Zahl ihrer Breitbandanschlüsse um 63 000. Auch bei dem Bonner Konzern gibt es hier und da negative Trends, etwa bei der Zahl der Telefonanschlüsse - dies aber ist eher ein allgemeiner Trend als ein besonderes Versagen der Telekom. Auch Telefónica Deutschland, die Tochter der spanischen Telefónica, konnte sich bei den Breitbandanschlüssen steigern und legte um 19 000 zu. Die Münchner haben auch beim Netzausbau kräftig zugelegt und operieren vielfach auf Augenhöhe mit Vodafone.

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