Vodafone Kurs auf Mobilfunk

Vodafone investiert nicht mehr ins Festnetz. Große Gewinne verspricht nur noch der Mobilfunk. Doch wenn die Kunden unterwegs mit der gleichen Geschwindigkeit wie zu Hause surfen können, gibt es für das traditionelle Geschäft mit Telefonanrufen eine neue Bedrohung.

Für Vodafone hat das Festnetz-Geschäft kaum Zukunft. Die DSL-Technologie sei veraltet und niemand in der Branche stecke noch groß Geld hinein, sagte Vodafone-Chef Friedrich Joussen in einem am Donnerstag veröffentlichten Gespräch mit Journalisten. "Im Markt herrscht Konsens, dass mit den aktuellen Rahmenbedingungen derzeit keiner signifikant in Festnetz-Infrastruktur investiert."

Warum anrufen, wenn ich auch eine Nachricht auf Facebook schicken kann?

(Foto: dpa)

Stattdessen setzt Vodafone klar auf das Geschäft mit den Mobilkunden. Sie sollen unterwegs wie zu Hause mit dem Handy telefonieren, aber auch ins Internet gehen.

Der Trend hält seit Jahren an: Der Festnetzmarkt ist gesättigt, die Zahl der Anschlüsse sinkt. Vodafone hat einst das Festnetz von Arcor übernommen, der Konzern hat so auch Großkunden gewinnen können wie den Freistaat Bayern. Doch jetzt ruft der Konzernlenker eine neue Strategie aus: Vodafone setzt auf LTE, der neue schnelle Standard für Mobilfunk. Joussen sieht einen Wettbewerb der Systeme auf die Branche zukommen: "Mobil mit der Zukunftstechnologie LTE oder stationär mit weniger Komfort". Festnetzkunden ergänzten ihren DSL-Anschluss mit Wlan, um im ganzen Haus surfen zu können, sagte Joussen.

Das Festnetzgeschäft verspricht keine guten Margen mehr, sie seien wesentlich niedriger als im Mobilfunk, sagte der Manager. Das liege auch daran, dass Vodafone die Telefonanschlüsse in den Wohnungen seiner insgesamt vier Millionen DSL-Kunden von der Deutschen Telekom mieten muss - pro Jahr koste das knapp 500 Millionen Euro. Diese große Überweisung nach Bonn würde Vodafone sich gerne sparen - indem die Kunden sich drahtlos direkt mit Vodafone verbinden.

Doch diese Perspektive ist nicht ohne Risiko. Wenn die Kunden mit modernen Smartphones ausgerüstet sind, sinkt die Not, wie mit einem Handy telefonieren zu müssen. Stattdessen können die Nutzer mit Anwendungen wie Skype kostenlos miteinander telefonieren oder sich E-Mails oder kurze Nachrichten in Messengerdiensten schicken. Das US-Tech-Magazin Wired rief schon 2010 den Tod des Telefonanrufs aus. Laut den Marktforschern bei Nielsen geht die Zahl der Telefonate in den Vereinigten Staaten seit 2007 zurück. Auch in Deutschland steigt die Nutzung von Online-Telefonie. Die Kommunikationsfirmen verdienen dann nur noch am Internetzugang, nicht mehr an den Telefonaten.

Dazu kommt: Bisher keine LTE seine Geschwindigkeitsversprechen nicht einlösen. Zwar verspricht auch Vodafone-Chef Joussen, bald Übertragungsgeschwindigkeiten von einem Gigabit pro Sekunde möglich seien, das sind 1000 MBit/s - doch noch stecke die Technologie in den Kinderschuhen. Tatsächlich sinken die Geschwindigkeiten rapide, wenn viele Nutzer sich gleichzeitig von einem Ort ins Internet einwählen. So musste die Telekom jüngst beim Start ihres LTE-Netzes in Köln zugeben, das von den 100 MBit/s in der Realität nur eine Geschwindigkeit von 10 MBit/s übrigbleibt.

Linktipp: Im Technik-Blog this is my next wird vorgeschlagen, Telefonnummern abzuschaffen. Sie seien ein Gefängnis, gebaut auf Faulheit und Konsumentenfeindschaft. Die Konzerne würden so den Kunden Handschellen anlegen. Während man seine E-Mails auf jedem PC abrufen könne, sei eine ähnliche Art von Login bei Handys nicht möglich.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes konnte beim Lesen der Eindruck entstehen, dass Vodafone-Festnetzanschlüsse abgeschaltet werden. Das ist nicht der Fall. Der Konzern investiert lediglich kaum noch in diese Sparte.