Vitesco:Börsengang lohnt für Conti-Aktionäre nicht

German share price index DAX graph is pictured at the stock exchange in Frankfurt

Start der Vitesco-Aktie mit großen Werbebannern am Donnerstag im Handelssaal der Frankfurter Börse.

(Foto: REUTERS)

Wert des Depots sinkt nach der Abspaltung des Antriebstechnik-Herstellers.

Die Abspaltung des Antriebstechnik-Herstellers Vitesco hat sich für die Aktionäre von Continental vorerst nicht gelohnt. Sie hatten vor dem Börsendebüt von Vitesco für je fünf Conti-Aktien ein Papier des Regensburger Unternehmens ins Depot gebucht bekommen - doch dessen Wert ist nun sogar niedriger als vorher. Vitesco wurde zum ersten Kurs von 59,80 Euro am Donnerstag mit 2,4 Milliarden Euro bewertet. Die Aktie schloss mit 58,90 Euro. Continental verlor 6,2 Prozent und schloss mit 94,89 Euro.

Vitesco hat mit dem Wandel in der Autoindustrie zu kämpfen und muss die Produktion von Getrieben für Diesel- und Benzinmotoren möglichst schnell auf Bauteile für Elektroautos umstellen. Etwa die Hälfte des Umsatzes von acht Milliarden Euro gehört künftig nicht mehr zum Kerngeschäft. Vitesco-Chef Andreas Wolf zeigte sich auf dem Frankfurter Börsenparkett optimistisch, dass der tief greifende Umbau gelingen werde. "Die E-Mobilität boomt", sagte Wolf, ehe er mit der großen Glocke den Börsenhandel einläutete. Der Markt wachse sehr dynamisch, getrieben auch vom Druck von Politik und Regulierung. Bis 2024 soll das Geschäft mit Elektroantrieben nach Wolfs Vorstellungen profitabel sein. Was der Strukturwandel für die knapp 40 000 Mitarbeiter bedeutet, hat Vitesco offengelassen.

Die Feier zur Erstnotiz fand angesichts der Corona-Pandemie unter verschärften Hygienebedingungen statt. Die Vitesco-Manager schritten einzeln zur Handelsschranke, die Börsenglocke wurde nach jedem Läuten desinfiziert. Die Gäste wurden streng nach Gruppen getrennt.

Vitesco war am Donnerstag - wie bei Abspaltungen (Spin-offs) von Dax-Unternehmen üblich - für einen Tag das 31. Mitglied des deutschen Leitindex. Bis zum Abend mussten Indexfonds, die den Dax nachbilden, die Papiere wieder aus den Depots werfen. Dadurch wurde mit verstärktem Druck auf die Vitesco-Aktie gerechnet. Am Nachmittag notierte sie bei 59,03 Euro. Der Conti-Kurs bröckelte gleichzeitig um 4,6 Prozent auf 96,64 Euro ab.

Bei der Abspaltung von Siemens Energy von Siemens vor einem Jahr, hatte die Aktie des Technologiekonzerns kaum nachgegeben, so dass der Wert eines Aktionärsdepots kräftig stieg. Den gleichen Effekt hatte sich Continental erhofft. Mit der Abspaltung der Getriebesparte falle ein "Klotz am Bein" des Autozulieferers weg, sagten Investmentbanker. Vielen Investoren ermögliche das erst wieder den Einstieg bei Conti.

Der Spin-off hatte sich - laut Conti auch wegen der Corona-Pandemie - um zwei Jahre verzögert. Größter Aktionär beider Unternehmen ist die fränkische Milliardärsfamilie Schaeffler. Maria-Elisabeth Schaeffler-Thumann und ihr Sohn Georg halten zusammen jeweils 46 Prozent an Conti und Vitesco.

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