Vier Länder, vier Rentensysteme Niederlande

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Von Thomas Kirchner

Die australische Beratungsfirma Mercer untersucht seit Jahren die Rentensysteme aller Staaten der Welt. Die Niederlande lagen lange Zeit auf Platz eins, 2017 rutschten sie mit hauchdünnem Abstand hinter Dänemark. Die Bestnote hat ihr System zwar wegen des relativ schwachen Wirtschaftswachstums verloren, dennoch gilt es noch immer als besonders angemessen und nachhaltig. Das liegt vor allem an der Mischung der Elemente. Die Niederländer sprechen von einem "Cappuccino-Modell": Der Kaffee, das ist die Mindestrente aus der gesetzlichen Rentenversicherung; die Sahne besteht aus den betrieblichen Pensionsfonds. Obendrauf kommt Kakao in Form von privater Vorsorge, meist durch eine Lebensversicherung. Für Angestellte spielt diese dritte Säule eine kleine Rolle, für Selbständige eine größere.

Die Grundrente (AOW) umfasst alle in den Niederlanden wohnhaften Personen. Sie wird im Umlageverfahren durch Arbeitnehmerbeiträge finanziert, Arbeitslose und Arme werden beitragslos mitversichert. Die Höhe des Beitrags richtet sich nach dem Einkommen, aber auch Großverdiener bekommen nicht mehr als den Höchstsatz, der sich am gesetzlichen Mindestlohn orientiert. Im Durchschnitt stellt die Staatsrente etwa 50 Prozent der Ruhestandseinkünfte. Die Lücke zu den angepeilten 70 Prozent des letzten Einkommens schließen neun von zehn Arbeitnehmer mit Leistungen aus Pensionsfonds. Sie sind kapitalfundiert, also abhängig von der Entwicklung am Finanzmarkt. Das Rentenalter wird bis 2021 schrittweise auf 67 erhöht und ab 2022 an die Lebenserwartung gekoppelt.