Vier Länder, vier Rentensysteme Frankreich

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Von Leo Klimm

Frankreichs Rentensystem sei zu komplex und damit ungerecht, findet Emmanuel Macron. Der Präsident verspricht eine große Reform, mit der "jeder eingezahlte Euro gleiche Ansprüche begründet, egal, wann er geleistet wurde und egal, welchen Beruf der Beitragszahler hat". Auf den ersten Blick sorgt das heutige System zwar für eine gewisse égalité: Alle zahlen in eine staatliche Pflichtversicherung ein, auch Selbständige. Kompliziert wird es aber schon mit den variablen Beitragssätzen, die etwa für Angestellte mindestens 26 Prozent vom Brutto betragen. Hinzu kommen obligatorische Zusatzrenten, freiwillige Betriebsrenten und staatlich geförderte kapitalgedeckte Extrarenten. Das gesetzliche Ruhestandsalter liegt bei 62 Jahren; die volle Rente erhält aber nur, wer 41,5 Beitragsjahre hat. Tatsächlich hören die Franzosen zurzeit im Durchschnitt mit 60 Jahren auf. Sie erhalten dann im Mittel 1375 Euro Rente. Hinter diesen Zahlen verbergen sich jedoch enorme Disparitäten. Das liegt daran, dass allein die staatliche Pflichtversicherung 42 verschiedene Kassen mit je eigenen Regeln zählt. Selbst die Zeitschriftenhändler haben ihre Kasse. Vor allem aber hat der öffentliche Dienst viele Sonderregeln, sei es für Polizisten oder für Fluglotsen. Die Staatsdiener dürfen teils auch mit Mitte Fünfzig aufhören.

Trotz vorteilhafter Demografie weisen Frankreichs Rentenkassen hohe Defizite auf. Um gegenzusteuern, wird die Zahl der Beitragsjahre allmählich angehoben. Macrons Pläne gehen aber weiter: 2019 will er seine Fundamentalreform einleiten, um auf ein Entgeltpunkte-System nach deutschem Vorbild umzustellen.