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Vielfalt in der Bierbranche:Gewaltiger Aufwand

Der Sortieraufwand ist gewaltig. Vor allem im Osten Deutschlands sei das Leergut, das bei den Brauereien landet, stark durchmischt, beobachtet Guder. Denn Lebensmittel- und Getränkehändler, bei denen die Verbraucher die leeren Flaschen abliefern, sortieren nur nach Kästen, nicht aber nach Flaschen. Diese Aufgabe würde gerne der Getränkegroßhandel übernehmen und anschließend den Abfüllern sortenreine Kästen anliefern.

Aber da winken die Brauer ab: "Nicht nötig. Das können wir preiswerter", meinen sie. Um der Flaschenflut Herr zu werden, haben sich viele von ihnen für Millionen Sortieranlagen angeschafft. Aber mit der Trennung von Eigen- und Fremdflaschen ist es nicht getan. Die Glashüllen, die nicht zum eigenen Produktionsprogramm passen, müssen auch zur Ursprungsbrauerei transportiert werden. Das führt zu einem intensiven Glastourismus: Nach Branchenangaben tauschen eine Premiumbrauerei und ein auf Leergut spezialisierter Dienstleister wie die sauerländische Steinseifer-Gruppe in jedem Jahr etwa drei Millionen Kästen. Dafür sind nahezu 1400 Transporte notwendig. Ein gutes Geschäft für die Logistik-Experten. Umweltschützer sehen den Flaschentourismus durchaus kritisch, aber Mehrweg ist ihnen immer noch lieber als Einweg.

Um Kosten zu sparen, haben einige Brauereien Tauschvereinbarungen getroffen. Oder sie haben sich gleich zu größeren Verbünden wie dem Leergutportal Bottlefox zusammengetan. Über diese Plattform managen derzeit mehr als 30 Brauereien ihr Leergut. Nach Schätzung von Insidern summieren sich die Sortierkosten bei den Brauereien auf elf bis 20 Cent je Kasten. Bei Betrachtung der gesamten Prozesskette kommen Experten sogar auf einen Betrag von bis zu einem Euro. Das würde bedeuten, dass ein Zehntel des Preises, den der Kunde im Laden zahlt, auf die Sortierung entfällt.

Für die kleinen Brauereien werden die neuen Individualflaschen von Hasseröder & Co. zunehmend zu einem Problem. Zum einen haben sie nicht die finanziellen Mittel, um selbst ein eigenes Gebinde zu entwickeln. Zum anderen sind sie mit der Sortierung völlig überfordert. Denn Anlagen, die diese Aufgabe erledigen, können sie sich nicht leisten. Und so könnte am Ende Wirklichkeit werden, was Guder prophezeit: "Die Flut der Individualflaschen beschleunigt die Verdrängung auf dem Biermarkt. Große finanzstarke Braugruppen gewinnen weiter Marktanteile. Kleine Anbieter geraten in Nöte."