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Viele Neubauten:Glaspaläste für die Internetkonzerne

Die großen amerikanischen Webunternehmen lassen sich bisher vom möglichen EU-Austritt Großbritanniens nicht schrecken.

Trotz Brexit zieht London weiterhin viele Start-ups an - und etablierte Internetkonzerne. So errichtet die Google-Mutter Alphabet in der Nähe des Bahnhofs King's Cross einen Riegel, den die Londoner "Landscraper" nennen, in Anlehnung an Skyscraper, also Wolkenkratzer. Denn das elfstöckige Gebäude wird mit 330 Metern länger sein, als das mächtigste Hochhaus der Stadt hoch ist.

Auf dem Dach des Google-Palastes wird ein Garten angelegt plus eine 200 Meter lange Joggingstrecke für die mehr als 5000 Beschäftigten. Rivale Apple will in zwei Jahren eine neue Londoner Zentrale am südlichen Themseufer einweihen, in der Battersea Power Station. Das ausrangierte Kraftwerk kennen Pink-Floyd-Fans vom Cover des Albums "Animals". 3000 Menschen sollen dann hier tätig sein; bislang hat der Konzern 1400 Angestellte im Königreich. Facebook und Amazon eröffneten bereits vor zwei Jahren neue Büros in der Kapitale, verbunden mit der Ankündigung, viele Stellen zu schaffen.

Die Technologie-Unternehmen und Start-ups setzen auf London, weil die kosmopolitische Metropole junge, gut ausgebildete Menschen aus aller Welt anlockt. So arbeiten in keiner europäischen Stadt mehr Programmierer. Die Top-Universitäten in London und im nicht weit entfernten Cambridge und Oxford sind ebenfalls attraktiv. Gründer profitieren zudem von Steuererleichterungen und von der Nähe zu den Wagniskapitalinvestoren im Finanzviertel.

Die amerikanischen Webkonzerne vertrauen darauf, dass der Brexit Londons Reiz für talentierte Einwanderer nicht großartig schmälern wird. Ansonsten würde es schwierig, die schicken neuen Büros zu füllen. Ähnliches Vertrauen bringt der Immobilienentwickler Canary Wharf Group auf. Das Unternehmen verwandelte Ende der Achtzigerjahre braches Hafengelände an der Themse in das Büroviertel Canary Wharf. Jetzt zieht der Konzern im benachbarten Hafengelände Wood Wharf eines der größten Zentren für Start-ups nicht nur in London, sondern in ganz Europa hoch.

Die Glastürme sollen bis zu 3600 Wohnungen sowie Büros für junge Technologiefirmen beheimaten. 20 000 Angestellte sollen dort ihre Schreibtische, Tischtennisplatten und Kickertische haben; die Arbeiten in Wood Wharf werden 2023 abgeschlossen sein.

© SZ vom 28.02.2019
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