Viehzucht Tinder für Rinder

Die Rinder-Kuppel-App Tudder hat bereits 42 000 Profile von Kühen und Bullen gelistet.

(Foto: dpa)

In Großbritannien verkuppeln Bauern ihre Kühe und Bullen neuerdings per App. 42 000 Profile sind bereits hinterlegt - um schüchterne Farmtiere mit ihren Seelenverwandten zu vereinen.

Von Katharina Kutsche

Dass zu viel Auswahl gar nicht gut ist, wissen wir mittlerweile. Wenn die Palette des Lebens ein Überangebot bietet, ist es schwierig, sich für etwas zu entscheiden, weil das gleichzeitig eine Entscheidung gegen etwas anderes (oder jemand anderen) bedeutet. Das verursacht Stress, den der moderne Mensch mit digitalen Hilfsmitteln zu verringern sucht - per Matching-App. Einmal die eigenen Daten und Wünsche eingeben, die Algorithmen arbeiten lassen und dann per Wisch (neudeutsch: Swipe) nach rechts oder links entscheiden, wer oder was zusammengehören könnte: Mensch und Mensch über Tinder, Mensch und Job über Truffls.

Ein englisches Start-up namens Hectare hat nun mit Tudder eine weitere Dating-App auf den Markt gebracht, die man als Tinder für Rinder beschreiben kann. Denn auch unter Kühen und Bullen gibt es ein Überangebot, aber eben verstreut im Königreich zwischen Cornwall und den schottischen Highlands. Und wer jeden Tag auf der Weide in die immer gleichen blöden Gesichter glotzt, verliebt sich nicht alle elf Minuten wie auf Parship. Die App-Designer jedenfalls erklären, sie wollten auf diesem Weg schüchterne Farmtiere mit ihren Seelenverwandten vereinen. Ein nobles Ziel, auch wenn die Rindviecher selbst wohl keinen Huf mit im Spiel haben.

Den Landwirten wäre zu wünschen, dass auch sie aus der Kuppel-Hölle des Privatfernsehens herausfinden

Die Tudder-App mit dem Euter im Logo - Udder ist das englische Wort für Euter - hat bereits 42 000 Profile von Kühen und Bullen gelistet. Die Bauern hinterlegen, ob ihre Prachtexemplare reinrassig sind und ob sie auf einem Biohof leben. Ein Farmer aus Essex etwa bietet einen kurzhörnigen, 24 Monate alten Zuchtbullen samt Foto von dem braunfleckigen Tier an.

"Tudder" entsteht aus Tinder und udder, dem englischen Wort für Euter.

(Foto: REUTERS)

Wenn solche Modelle auf dem Viehmarkt erfolgreich sind, ergeben sich auch neue Chancen bei der Vermittlung anderer einsamer Seelen. Hectares CEO erklärte gegenüber der Agentur Bloomberg, dass Schafzucht ähnlich datengetrieben sei, also könne das vielleicht die nächste App werden. Und auch Kartäuser-Katzen, King Charles Spaniel und Doktorfische haben Anspruch auf einen anderen Single mit Niveau. Unterm Strich wäre nun nur noch den tierhaltenden Landwirten zu wünschen, dass sie endlich aus der Kuppel-Hölle des Privatfernsehens ("Bauer sucht Frau") befreit werden und den Weg in den App-Store finden. Für mehr Matches auf dem weiten Feld der Liebe.

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