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Versuchte VW-Übernahme:Ex-Porsche-Chef Wiedeking droht Anklage wegen Marktmanipulation

Mehr als drei Jahre haben die Ermittler gearbeitet, nun geht die juristische Aufarbeitung des Übernahmekampfs zwischen Porsche und VW in die entscheidende Phase. Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft will Anklage gegen Porsche-Chef Wiedeking und Finanzvorstand Härter erheben. Der Vorwurf: Die beiden ehemaligen Vorstände sollen Investoren über ihre Pläne bei VW getäuscht haben.

Es sollte der große Deal des Wendelin Wiedeking werden: 2008 wollte der damalige Porsche-Chef mit umstrittenen und schwer zu überblickenden Aktiengeschäften den viel größeren VW-Konzern übernehmen. Doch der Plan ging nicht auf. Wiedeking und sein Finanzvorstand Holger Härter verhoben sich an der Übernahme, häuften gewaltige Schulden an und mussten sich schließlich Ende Juli 2009 von ihren Vorstandposten zurückziehen.

Mittlerweile hat VW Porsche übernommen. Seit Anfang August ist der Sportwagenhersteller vollständig in Europas größtem Autokonzern aufgegangen - und die juristische Aufarbeitung des Übernahmekampfs geht in ihre entscheidende Phase. Mehr als drei Jahre haben die Ermittler gearbeitet. Nach derzeitigem Stand will die Stuttgarter Staatsanwaltschaft Anklage gegen Wiedeking und Härter erheben.

Wie der Spiegel berichtet, hätten die Ermittler den Verteidigern mitgeteilt, dass sie ihnen die letzten Akten zustellen wollen. Anschließend hätten die Anwälte ausreichend Zeit für eine Stellungnahme. Danach will die Staatsanwaltschaft endgültig entscheiden, wie sie vorgeht.

Der Vorwurf an Wiedeking und Härter: Marktmanipulation. Die beiden ehemaligen Vorstände sollen Investoren durch falsche Informationen oder das Verschweigen von Informationen über die Porsche-Pläne beim VW-Einstieg getäuscht haben. Wiedekings Anwälte ließen am Samstag lediglich mitteilen, dass sie die Vorwürfe zurückweisen. .

Bereits Ende Juni war bekanntgeworden, dass Finanzvorstand Härter infolge des spektakulär gescheiterten Übernahmeangriffs auf Volkswagen wegen Kreditbetruges vor Gericht muss. Die von der Staatsanwaltschaft Stuttgart erhobene Anklage gegen den früheren Top-Manager sowie gegen zwei seiner damaligen Führungskräfte sei "vollumfänglich zugelassen", sagte damals ein Sprecher des Landgerichts. Neben dem Vorwurf der Marktmanipulation gegen Wiedeking und Härter werde seitens der Staatsanwaltschaft auch der Vorwurf der Untreue geprüft.