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Versicherungsbranche:Munich Re im Vorwärtsgang

Der Rückversicherer will mit Zukäufen die Tochter Ergo stärken. Die Ankündigung des Konzernchefs zeigt: Er betrachtet den Umbau bei Ergo als gelungen.

Der Rückversicherer Munich Re kann sich wieder Zukäufe vorstellen, mit denen er die Marktposition seiner Tochtergesellschaft Ergo in verschiedenen Ländern stärken will. Das sagte Munich Re-Chef Joachim Wenning am Montagabend vor Journalisten. In letzter Zeit hat der Konzern bei der Düsseldorfer Tochter kräftig saniert. Dazu gehörte der Verkauf verschiedener Ländergesellschaften, zuletzt in Rumänien, der Tschechischen Republik und Weißrussland.

Jetzt soll Ergo auch durch Übernahmen international wieder wachsen, aber nur in solchen Märkten, in denen der Versicherer schon vertreten ist und die der Konzern für zukunftsträchtig hält. "Es geht nicht darum, die Weltkarte zu vervollständigen", sagte Wenning. Die Übernahmeziele müssten in ihrer Risikostruktur zur Munich Re passen, erläuterte er.

Bislang hatte sich die Gruppe bei Übernahmen auf kleine Spezialanbieter konzentriert, die vor allem in Nischensparten der Munich Re mehr Know-how brachten. Dass Wenning jetzt Übernahmen durch Ergo ankündigt, zeigt, dass er den Umbau in Düsseldorf als gelungen betrachtet. An der Übernahme anderer Rückversicherer hat die Munich Re dagegen nach wie vor kein Interesse.

Mit ihren Ergebnissen ist die Gesellschaft zurzeit sehr zufrieden. Zwischen Januar und September hat der Konzern bereits rund 2,5 Milliarden Euro verdient - das war eigentlich das Ziel für das volle Jahr 2019. Aber Wenning und Finanzchef Christoph Jurecka blieben vorsichtig. Genauer festlegen, wie viel es denn nun wird, wollten sich beide nicht. "Das vierte Quartal hat mit Großschäden begonnen, beispielsweise mit dem Taifun Hagibis", sagte Jurecka. Hinzu kämen Waldbrände in den USA und Buschfeuer in Australien. Auch der weitere Ausblick bleibt verhalten. 2020 will der Konzern mindestens 2,8 Milliarden Euro einfahren.

Zum guten Ergebnis tragen die niedrigen Zinsen bei - weil sie dafür sorgen, dass die Preise sowohl für Aktien als auch für Anleihen steigen. Langfristig seien solche Zinsen aber auch für die Munich Re sehr schädlich, betonte Jurecka.

Erfreulich für die Munich Re ist, dass die Preise in der Rückversicherung seit zwei Jahren wieder stabil sind, wie Wenning berichtete. Zuvor waren sie fast zehn Jahre lang nach unten gegangen.

© SZ vom 27.11.2019
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