VersicherungsbrancheMunich Re auf Gewinnkurs

Lesezeit: 1 Min.

Die guten Zahlen der Rückversicherung stammen zum Großteil aus dem positiven Verlauf der Kapitalmärkte. Das Coronavirus werde den Konzern bei der Gewinnsteigerung nicht stoppen, heißt es.

Von Herbert Fromme, München

Der weltweit zweitgrößte Rückversicherer Munich Re (nach Swiss Re) ist zufrieden mit dem Jahr 2019. Und das gilt auch für die Düsseldorfer Tochtergesellschaft Ergo, die lange als Sanierungsfall galt. Der Konzern hat nach Steuern 2,7 Milliarden Euro verdient, im Vorjahr waren es 2,3 Milliarden Euro. Für 2020 erwartet Unternehmenschef Joachim Wenning eine weitere, wenn auch bescheidenere Gewinnsteigerung: Mindestens 2,8 Milliarden Euro sollen es werden, 530 Millionen Euro soll dabei Ergo dazu beisteuern.

Die guten Zahlen stammen zum Großteil aus dem positiven Verlauf der Kapitalmärkte: Die Munich Re konnte durch Wertpapierverkäufe Gewinne heben. Dagegen steht eine Belastung von 3,1 Milliarden Euro aus Großschäden, sagte Vorstand Torsten Jeworrek. Im Jahr zuvor hatten diese nur 2,2 Milliarden Euro gekostet. Neben den in Japan wütenden Taifunen "Hagibis" und "Faxai" trafen 2019 auch Satellitenabstürze und Luftfahrtschäden den Rückversicherer.

Das Coronavirus dürfte die Gruppe nach Einschätzung ihres Managements bei der Gewinnsteigerung nicht stoppen. Selbst wenn es zu einer weltweiten Pandemie mit sehr vielen Toten käme, würde das den Konzern mit maximal 1,5 Milliarden Euro weniger stark belasten als ein moderater Hurrikan in den USA. Praktisch sei eine solche Entwicklung angesichts der geringen Sterblichkeitsraten bei Corona-Patienten ohnehin undenkbar, sagte Jeworrek. Aus der Betriebsunterbrechung erwartet er keine Schäden, der Bänderstillstand wegen Pandemien sei nicht abgedeckt. Die Munich Re habe versucht, Pandemiedeckungen an Industriekonzerne zu verkaufen. "Da ist nicht viel Nachfrage gewesen."

Treffen könnte die Münchener allerdings die Veranstaltungsausfallversicherung. Hier geht es um einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag an Deckungen, bei denen der Ausfall durch Seuchen ausdrücklich eingeschlossen ist. Die Munich Re gehört auch zu den Versicherern der Olympischen Sommerspiele, die am 24. Juli 2020 in Tokio beginnen sollen. Wenning wollte nicht sagen, ob diese gegen eine Absage wegen Pandemie abgesichert sind. Er müsse über die Kundenbeziehung Stillschweigen bewahren.

Finanzchef Christoph Jurecka glaubt nicht, dass das Coronavirus zu einer globalen Rezession führt. "Aber das geht nicht spurlos an uns vorbei", sagte er mit Blick auf die sinkenden Aktienkurse. Die Gewinnziele der Munich Re seien aber nicht gefährdet.

© SZ vom 29.02.2020 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Gutscheine: