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Versicherungen:Noch ein neues Start-up

Die Finanzaufsicht Bafin hat in dieser Woche dem Start-up Mailo die Lizenz erteilt. Verglichen mit Branchengrößen wie Allianz, Ergo oder Zurich ist die Firma zwar ein Zwerg. Trotzdem können kleine Firmen wie diese den Markt verändern.

Jetzt hat der nächste neu gegründete Versicherer die Startfreigabe: Die Finanzaufsicht Bafin hat in dieser Woche dem Start-up Mailo die Lizenz erteilt. Verglichen mit Branchengrößen wie Allianz, Ergo oder Zurich ist die Firma ein Zwerg. 20 Mitarbeiter, 11,5 Millionen Euro Kapital, kein Glaspalast, sondern eine kleine Büroetage am Kölner Ebertplatz.

Aber Sten Nahrgang, der das Unternehmen zusammen mit Matthias Uebing und Armin Molla gegründet hat, ist sehr optimistisch. "Unsere Zielgruppe sind Online-Händler, Blogger, andere Firmen in der Netzwirtschaft und Unternehmensberater", sagt er. Bis zwei Millionen Euro Umsatz, bis zu zehn Mitarbeiter, das ist der ideale Mailo-Kunde. Um ihn kümmern sich die etablierten Versicherer kaum, sagt er.

"Wir haben mit vielen dieser Firmen in den vergangenen Monaten gesprochen", sagt Nahrgang. "Wir wissen, was sie brauchen." Mailo will die Einrichtungen und die Rechner versichern und Deckungen zur Betriebshaftpflicht, zu Cyberangriffen und zur Betriebsunterbrechung bieten.

Ohne Rückversicherer geht es nicht

Das Kölner Start-up ist nicht die erste Versicherer-Neugründung. In Berlin arbeiten Coya und Element, in München der Krankenversicherer Ottonova. Von Liechtenstein aus beackert One den deutschen Markt, im Saarland ist Neodigital aktiv. Sie alle gehören keinem der großen Versicherer.

Aber die Etablierten gründen selbst auch Start-ups. Die Basler hat den Autoversicherer Friday auf den Markt gebracht, Ergo die Tochter Nexible, die W&W das Unternehmen Adam Riese. Vor fünf Jahren kamen die ersten Start-ups auf den Versicherungsmarkt - damals waren es vor allem digitale Makler, die mit Apps und Kundenportalen punkten wollten. Heute sind die Newcomer richtige Versicherer, die selbst Risiken der Kunden übernehmen.

Allerdings - ganz ohne Teile des etablierten Marktes geht es kaum. Mailo kann mit seinem knappen Kapital keine großen Sprünge machen. Wenn der Versicherer ernsthaft Kunden gewinnen will, braucht er Rückversicherer, die ihm Teile der Risiken abnehmen. Das sind bei Mailo die Munich Re und die Deutsche Rück, die zum Sparkassenlager gehört. Sie tragen 75 Prozent aller Risiken, 25 Prozent bleiben bei Mailo. Die Deutsche Rück gehört neben Privatleuten auch zu den Investoren.

Noch sind die Neugründungen kaum zu spüren im Markt, verglichen mit den Branchenriesen. "Sie setzen alle darauf , mit effizienteren digitalen Prozessen und einer besseren Kundenorientierung zu punkten", sagt Ingo Marjan, Vorstand bei der Düsseldorfer Unternehmensberatung SMP. Damit hoffen sie, irgendwann ein Stück vom lukrativen Kuchen abzubekommen. "Ob sie erfolgreich sind, hängt davon ab, wie nachhaltig die Geldgeber bereit sind, den Aufbau zu finanzieren", sagt Marjan. "Man braucht einen langen Atem, fünf bis sieben Jahre dauert das."

Blauäugig gehen die Gründer nicht in den Markt. Mailo-Vorstand Nahrgang, 57, hat lange bei den Versicherern Axa und Generali sowie beim Berater Tillinghast - heute Willis Towers Watson - gearbeitet. Sein Kollege Molla, 45, hat das Digital Lab der Ergo aufgebaut. Der dritte Gründer Uebing, 51, war viele Jahre beim Unternehmensberater ZEB für Versicherer zuständig.