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Cybergefahren:Die Cloud-Versicherung

Munich Re und Allianz wollen künftig Unternehmen, die Google-Cloud-Services nutzen, gegen Cybergefahren versichern. Die Anbieter versprechen umfangreiche Deckungen und kundenindividuelle Preise - wenn die Firmen ihre Daten mit den Versicherern teilen.

Von Herbert Fromme und Friederike Krieger, Köln

Der Rückversicherer Munich Re und der zur Allianz gehörende Industrieversicherer AGCS wollen zusammen mit dem Internet-Giganten Google Unternehmen vor Cybergefahren schützen. Große US-Firmen, die den Cloud-Service von Google nutzen, können von Mittwoch an speziell auf sie zugeschnittene Cyberpolicen bei den Versicherern abschließen - wenn sie im Gegenzug dazu bereit sind, Daten über die Anfälligkeit ihrer IT-Systeme und Schutzmaßnahmen vor Vertragsabschluss zu übermitteln.

Immer mehr Unternehmen verlagern Teile ihrer IT in die Cloud. Damit gehen auch neue Risiken einher: Daten gehen verloren oder der ganze Betrieb steht still, weil es Probleme mit der Cloud gibt. Die neue Cyberdeckung soll solche Cloud-spezifische Gefahren abdecken. So kommen die Versicherer ein Jahr lang für Umsatzeinbußen nach einem Ausfall auf. Bei normalen Cyberpolicen sind es 120 Tage.

Das eigentlich Neue ist die Übertragung von sicherheitsrelevanten Informationen aus der Cloud direkt an die Versicherer. Google stellt seinen Cloud-Kunden dazu ein spezielles Programm namens Risk Manager zur Verfügung. Es analysiert, wie anfällig die Daten in der Cloud für Cybergefahren sind. Diese Informationen können Kunden an Munich Re und AGCS weiterleiten, wenn sie sich versichern wollen. Die Gesellschaften erstellen auf dieser Basis ein Angebot. Der Preis richtet sich nach der individuelle Risikosituation des Kunden.

"Das wird die Art und Weise verändern, wie in Zukunft Cyberversicherungen gekauft werden", sagt Munich Re-Experte Chris Storer. Wenn sie eine Cyberpolice abschließen wollen, müssen Unternehmen bisher lange Fragebögen zur IT-Sicherheit ausfüllen - ein zeitraubendes Unterfangen. "In der Cloud sind dagegen alle Sicherheitsinformationen schon vorhanden."

Gute Risiken sind Firmen mit hohen Schutzmaßnahmen, schlechte haben große Sicherheitslücken

Munich Re und Allianz erhoffen sich davon auch eine bessere Kundenauswahl. "Wir können besser zwischen guten und schlechten Risiken unterscheiden", sagt Storer. Gute Risiken sind Firmen mit hohen Schutzmaßnahmen, schlechte haben große Sicherheitslücken. Das Problem: Die Cyberversicherung ist noch relativ neu, die Versicherer verfügen über wenig Erfahrungswerte. Die Gefahr ist groß, dass sie sich hohe Risiken einhandeln, die zu Großschäden führen. Die Versicherung der Google-Cloud-Kunden ist ein Versuch, in der Sparte zu wachsen und gleichzeitig die Datengrundlage zu verbessern.

Munich Re und AGCS bieten zusammen eine Versicherungssumme von bis zu 50 Millionen Dollar an. Momentan sind die Policen nur für US-Firmen mit einem Umsatz zwischen 500 Millionen Dollar und 5 Milliarden Dollar abschließbar. Langfristig soll das Angebot aber auch auf andere Länder und kleinere Firmen ausgeweitet werden.

Google will mit der Kooperation vor allem die Werbetrommel rühren. "Wir wollen, dass mehr Kunden in die Cloud kommen", sagt Google-Manager Matt Driscoll. Viele Firmen haben Bedenken bezüglich der Risiken, die dieser Schritt mit sich bringt. Mit der Cyberpolice will Google ihnen diese Bedenken nehmen.

© SZ
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