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Versicherungen:Konkurrenz für Tesla

Der E-Autobauer Quantron gründet einen eigenen Versicherer und macht es dem US-Autohersteller nach. Auch Tesla-Fahrer klagen über zu hohe Versicherungsprämien, auch weil die Ersatzteile so teuer sind.

Von Nina Nöthling, Köln

Elektro-Autos surren fast lautlos über die Straßen und reduzieren so den Lärm in Städten erheblich, das Laden ist zudem günstiger als reguläres Tanken und umweltschonender sollen E-Autos auch sein. Die Politik treibt den Ausbau der E-Mobilität voran, bis 2030 sollen um die zehn Millionen E-Autos auf deutschen Straßen fahren. Ende 2019 waren es etwa 136 000 Fahrzeuge.

Versicherern bereiten die E-Autos jedoch Probleme. Ihnen fehlt es an Daten, um risikoadäquate Policen für Elektrofahrzeuge anzubieten. Diese Erfahrung hat auch die Quantron AG aus dem bayerischen Gersthofen gemacht. Die Firma wandelt Nutzfahrzeuge mit Verbrennungsmotor in vollelektrische Fahrzeuge oder Fahrzeuge mit Wasserstoffverbrennungsmotoren um. Außerdem bietet Quantron neue Elektrofahrzeuge an.

Wie viele andere Autohersteller wollte das Unternehmen seinen Kunden auch Leasing- und Versicherungspakete anbieten, fand jedoch keinen passenden Versicherungspartner. Deshalb will die Firma jetzt einen eigenen Kfz-Versicherer gründen. "Es herrscht viel Unwissen", sagte ein Sprecher der Quantron AG. So würden Versicherer unter anderem den Rückkaufswert der umgebauten Fahrzeuge nicht kennen, ebenso sei es schwierig, die teure Batterie zu versichern. "Wir haben nicht die Zeit, die Versicherer zu Experten zu machen", so der Sprecher. "Wir haben schon das Expertenwissen, deshalb machen wir es jetzt selbst."

Die komplexe Fahrzeugtechnik bereitet etablierten Versicherern Probleme. "Elektrofahrzeuge werden aus weniger, aber stärker integrierten Teilen und Komponenten bestehen. Was in einem konventionellen Auto drei Teile sind, kann in einem Elektroauto nur noch ein einziges Bauteil sein", erklärt der Industrieversicherer AGCS in einem Bericht. Vor allem aber ist die teure Batterie ein Problem. Versicherer benötigen Daten zum Zustand der Batterie. Die Hersteller geben diese Informationen jedoch nicht immer heraus. Das macht die Absicherung schwierig, und die teuren Reparaturkosten für die Hochleistungsbatterien treiben die Prämien in die Höhe. Bei Quantron sollen Batterien mitversichert sein. Wie genau die Versicherungslösung für das Herzstück der Fahrzeuge aussehen wird, konnte das Unternehmen jedoch noch nicht sagen.

Die neue Gesellschaft soll Policen für den europäischen Markt anbieten

Starten will Quantron mit dem neuen Versicherer Mitte kommenden Jahres. "Wir sind sehr weit mit der Vorbereitung", sagte der Sprecher. Noch nicht geklärt ist, ob die neue Gesellschaft ihren Sitz in Deutschland oder in der Schweiz haben wird. Sie soll Vollkasko- und Haftpflichtpolicen für den gesamten europäischen Markt anbieten. Damit macht Quantron nicht nur Versicherern Konkurrenz, sondern auch dem US-Autohersteller Tesla, der selbst gerade versucht, einen Versicherer in Europa aufzubauen. Tesla-Fahrer klagen seit Jahren über zu hohe Versicherungsprämien, auch weil die Ersatzteile so teuer sind. Im vergangenen Jahr hat der Konzern in Kalifornien mit einer eigenen Versicherung reagiert, die bis zu 30 Prozent billiger sein soll als die Angebote anderer Versicherer. Jetzt will der Konzern das auch in Deutschland umsetzen.

Das dürfte jedoch schwieriger werden als in den USA, glaubt das Vergleichsportal Verivox. Das liegt unter anderem daran, dass die Kfz-Versicherung in Deutschland günstiger ist als in den USA. Dort zahlen Tesla-Fahrer außerdem deutlich mehr als Kfz-Halter von Benzinern, selbst hochmotorisierter Modelle wie BMW 330i oder Ford Mustang GT. In Deutschland hingegen ist die Police nach Berechnungen von Verivox für einen Tesla kaum teurer als für einen BWM und günstiger als für einen Mustang. Eine weitere Einschränkung: Tesla will die Policen nur für eigene Fahrzeuge anbieten. Das Angebot von Quantron soll dagegen auch den Besitzern von E-Autos anderer Hersteller offenstehen. "Wir versichern auch einen Tesla", so der Sprecher.

© SZ vom 17.08.2020
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