Versicherungen für Skifahrer:Riskante Schneefreuden

Versicherungen für Skifahrer: Skifahren macht Spaß. Wenn es nur nicht so voll wäre! Hier ein Massenrennen bei Moskau.

Skifahren macht Spaß. Wenn es nur nicht so voll wäre! Hier ein Massenrennen bei Moskau.

(Foto: Dmitry Serebryakov/AP)

Wenn ein verletzter Skifahrer mit dem Hubschrauber geborgen werden muss, kostet das mehr als 5000 Euro. Auch andere Dinge können teuer werden. Welche Versicherung diese Kosten übernimmt und welche nicht - ein Überblick für Wintersportler.

Von Anna Gentrup, Köln

Für unerfahrene Skifahrer sind manche Youtube-Videos gefährlicher als schwarze Pisten. "Einige sehen sich Freeride-Videos an und wollen dann selbst abseits der Pisten fahren", sagt Thomas Bucher vom Deutschen Alpenverein (DAV). Freerider suchen ihr Glück abseits der gesicherten Abfahrten - dabei kann dort große Gefahr lauern. "Nur 50 Meter neben einer Piste können schon Lawinen abgehen", sagt Bucher. Gegen solchen Leichtsinn gibt es keine Versicherung, wohl aber gegen die finanziellen Folgen vieler Unfälle. Allerdings sollten Wintersportler einige Grundregeln beachten, sonst zahlt der Versicherer unter Umständen nicht.

Skifahren ist ein sehr beliebter Freizeitsport. Geschwindigkeit, Natur und frische Luft, Freude an der Beherrschung des Sports - das alles sorgt für volle Pisten in den Skigebieten. Fast immer passiert nichts, viele kleine Stürze und Kollisionen laufen glimpflich ab. Doch die Rettungskräfte in den Regionen können berichten, dass es immer noch schwere Unfälle gibt. Oft bringen sich Wintersportler durch Leichtsinn in große Gefahr. Alpenexperte Bucher berichtet von einem Skitourengeher, der auf einer gesperrten Piste unterwegs war und schwer verletzt wurde. Das Stahlseil einer Pistenraupe hatte sich verhakt, löste sich dann und traf mit Wucht auf den Skifahrer. Wegen solcher Gefahren sind Pisten während der Vorbereitung gesperrt, daran müssen sich Sportler halten. Abseits der gesicherten Pisten sind Lawinenairbags und Verschüttetensuchgeräte sinnvoll, sie ermutigen aber manchen zu allzu sorglosem Verhalten. Bucher mahnt zur Vorsicht. "Mit der Notfallausrüstung muss jeder in der Gruppe umgehen können", sagt er. Wer im Ernstfall erstmals versucht, mit den Geräten eine Person aufzuspüren, hat schlechte Chancen. Auch die Bergwacht kann mitunter nicht schnell genug helfen. "Innerhalb der ersten 15 Minuten sind die Überlebenschancen am größten, doch so schnell kann die Bergwacht oft nicht vor Ort sein." Mehr als 40 000 Deutsche verletzen sich laut dem Versichererverband GDV pro Skisaison. Muss die Bergwacht anrücken, wird es schnell teuer. Eine einfache Hubschrauberbergung kostet laut Deutschem Skiverband (DSV) mehr als 5000 Euro. Jede Flugminute kostet 90 Euro, hinzukommen Pauschalkosten. Ohne Versicherung müssen Sportler dafür unter Umständen selbst zahlen. "Bei einer Rettung per Helikopter ist eine Kostenübernahme durch eine Krankenversicherung nicht generell gewährleistet", warnt Herbert Höcker, Experte für Unfallversicherungen bei der Allianz. Nur wenn der Flugtransport medizinisch notwendig ist, zahlt die gesetzliche Krankenversicherung. Bei Unfällen im Ausland muss der Versicherte oft einen Teil selbst übernehmen. Auch die private Krankenversicherung zahlt nicht immer. Hier hilft eine private Unfallversicherung.

Wer eine Haftpflichtpolice und Auslandsreisekranken-, Rechtsschutz- und Unfallversicherung hat, ist schon einmal gut für die Piste gerüstet. Daneben gibt es spezielle Kombi-Pakete für den Winterurlaub. Viele Berg- und Wintersportler sind über ihre Verbände wie den Alpenverein oder den Skiverband DSV versichert. Der DSV bietet seinen Mitgliedern ein Wahlrecht: Mitgliedschaft ohne Versicherung oder mit einem Paket der Arag und der Europa Versicherung. Das Angebot kombiniert Kranken-, Haftpflicht-, Rechts- und Unfallversicherungen. Außerdem sind Wintersportgeräte gegen Diebstahl und Beschädigung versichert. In der Basis-Ausführung kostet das 30 Euro im Jahr, für einen Partner noch einmal 27 Euro jährlich. Beim Deutschen Alpenverein sind alle Mitglieder gegen Such-, Bergungs- und Rettungskosten versichert, zudem gibt es Leistungen der Unfall- und Sporthaftpflichtversicherung. Der Schutz ist in der Mitgliedschaft enthalten, sie kostet je nach Vereinssektion zwischen 45 und 90 Euro im Jahr. Für Partner, Familien und Jugendliche gibt es Ermäßigungen.

Auch die Allianz hat eine Wintersportversicherung im Angebot. Den "Passion Pass" für europäische Skigebiete können Sportler tageweise für 4,90 Euro abschließen. Das Paket sichert Krankheits- und Transportkosten, Schäden am Reisegepäck und die oft hohen Kosten von selbst verschuldeten Unfällen ab. "Bei Haftpflichtschäden kann es um Zahlungen in Millionenhöhe gehen", sagt Stefan Löchner, Haftpflichtexperte der Allianz. Das kann bei bleibenden Schäden des Unfallopfers der Fall sein. Eine entsprechende Police übernimmt bis zur vereinbarten Versicherungssumme Behandlungskosten, Schmerzensgeld und Ansprüche wegen Verdienstausfalls oder bleibender Gesundheitsschäden. Bei der Bergrettung unterscheiden sich die Versicherungspakete. Beim DSV sind Bergungskosten im Basistarif bis 10 000 Euro abgesichert, in der Premiumvariante bis 20 000 Euro, außerdem übernimmt die Versicherung den Rücktransport. Die Police des Alpenvereins deckt Such-, Bergungs- und Rettungskosten von Verletzten bis 25 000 Euro ab. Bei der Ski-Police der Allianz liegt die Obergrenze für Such-, Rettungs- und Bergungseinsätze mit 7 000 Euro deutlich niedriger.

"Im ungesicherten Bereich, in der freien Natur, fährt jeder auf eigene Gefahr."

Wer beim Wintersport zu unvorsichtig ist, bringt nicht nur sich selbst, sondern auch die Bergretter in Gefahr. Zudem besteht das Risiko, dass bei einem Unfall die Versicherung nicht zahlt. Zwar sind bei der Arag auch Schäden durch Fahrlässigkeit in der Haftpflicht- und Unfallversicherung abgedeckt - ausgeschlossen sind aber vorsätzliche Straftaten. Beim DAV schließen jedoch die Versicherungsbedingungen explizit Schäden durch grob fahrlässiges Verhalten aus, insbesondere wenn der Sportler "grundlegende, allgemein anerkannte Regeln des Bergsteigens" missachtet. Was das konkret bedeutet, wird nicht definiert. Im Zweifelsfall könnte sich der Versicherer auf die Klausel berufen, wenn ein Sportler trotz Warnung in gesperrte Gebiete fährt und verunglückt. Dem DAV ist jedoch kein Fall bekannt, in dem sich ein Versicherer - beim Alpenverein sind das die R+V, Generali und die Würzburger Versicherung - so verhalten hätte.

Wintersportler müssen wissen, wo sie sich bewegen dürfen, sagt DAV-Mann Bucher. Mit gelb-schwarzen Schildern sperren Pistenbetreiber Abfahrten. Wer sie missachtet, begibt sich in Gefahr und riskiert ein Bußgeld.

Anders ist die Lage bei blau-roten Warnschildern, die das Ende der gesicherten Piste kennzeichnen. "Im ungesicherten Bereich, in der freien Natur, fährt jeder auf eigene Gefahr", sagt Bucher. Dort zu fahren sei rechtlich gesehen nicht fahrlässig. Bei großer Lawinengefahr sollten jedoch nur sehr erfahrene Wintersportler das Risiko eingehen - denn bei schweren Unglücken am Berg wird der finanzielle Schaden schnell zur Nebensache.

© SZ vom 14.02.2019
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