Süddeutsche Zeitung

Versicherungen:Ergo versichert chinesische Autofahrer

Die Düsseldorfer Munich-Re-Tochter kooperiert mit Great Wall Motors, dem sechstgrößten Kfz-Hersteller der Volksrepublik. Gemeinsam sollen auch neue Produkte entwickelt werden.

Der Versicherer Ergo will groß in den Markt für Autopolicen in China einsteigen. Dazu gründet die Tochter des Rückversicherers Munich Re ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem sechstgrößten Autohersteller Chinas Great Wall Motors (GWM). "Gemeinsam mit unserem Partner GWM haben wir es uns zum Ziel gemacht, einen führenden Anbieter für technologie- und datengetriebene Produkt- und Servicelösungen im Ökosystem Mobilität aufzubauen und damit die Präsenz von Ergo im strategisch wichtigen Wachstumsmarkt China weiter zu stärken", sagte Ergo-Chef Markus Rieß bei der Unterzeichnung der Vereinbarung in der chinesischen Stadt Baoding.

Das Unternehmen, an dem der chinesische Hersteller 51 Prozent und die Düsseldorfer 49 Prozent der Anteile halten, soll im ersten Quartal 2020 den Geschäftsbetrieb aufnehmen. Es wird zunächst den GWM-Kunden Kfz-Policen sowie Garantie- und Restschuldversicherungen anbieten. Solche Kooperationen zwischen Versicherern und Autoherstellern gibt es im deutschen Markt auch. So arbeitet Ergo hierzulande unter anderem mit Ford und Volvo zusammen. Allerdings läuft der Versicherungsverkauf über Autohändler in Deutschland mehr schlecht als recht. In China werden dagegen 80 bis 90 Prozent aller Neuwagen-Versicherungen direkt im Autohaus abgeschlossen.

Zudem ist der Markt ungleich größer. Während in Deutschland im vergangenen Jahr 3,3 Millionen Neuwagen verkauft wurden, waren es in China 22 Millionen. Eine Million entfielen davon auf GWM. Darüber hinaus erhofft sich Ergo einen Innovationsschub durch die Kooperation. Viele Dinge des täglichen Lebens laufen in China digital über das Smartphone ab, zugleich sind die Kunden freigebiger, was den Zugang zu ihren Daten angeht. Zusammen mit dem chinesischen Partner will Ergo auf dieser Basis neue Produkte entwickeln, etwa zur Absicherung von Elektromobilität, Carsharing und Fahrdiensten wie Uber.

"Ein so weitreichendes Modell hat bisher kein westlicher Versicherer in China im Automobilbereich vereinbart", sagt Karsten Crede, Chef von Ergo Mobility Solutions. Über die Einheit organisiert der Versicherer die Zusammenarbeit mit der Automobilindustrie. Langfristig ist auch geplant, Industrieversicherungen für die Fabriken von GWM sowie Gewerbe- und Privatversicherungen für die etwa 1000 Händler und 70 000 Mitarbeiter des Konzerns anzubieten.

Das Gemeinschaftsunternehmen wird aber selbst kein Versicherer sein, sondern eine Makler- und Servicegesellschaft, die über Provisionen und Gebühren mitverdient. Als Risikoträger agieren wegen lokaler Vorschriften chinesische Versicherer, die über Rückversicherungsverträge einen Teil des Geschäfts an die Ergo-Mutter Munich Re weitergeben.

Nicht nur der Ergo gilt China als wichtiger Wachstumsmarkt, auch andere Versicherer wie Allianz und Axa weiten ihre Präsenz in dem Land aus. China hat zuletzt die Investitionsbeschränkungen für ausländische Unternehmen gelockert. Auch im momentan noch stark regulierten Kfz-Markt spekuliert Ergo auf Erleichterungen im nächsten Jahr.

Bestens informiert mit SZ Plus – 14 Tage kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.4659006
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ vom 29.10.2019
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.