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Versicherungen:Covid trifft Allianz heftig

Die Krise kostet den Versicherer bislang 700 Millionen Euro. Der operative Gewinn ging im ersten Quartal um 22,2 Prozent zurück. Und Finanzchef Terzariol zieht aus der Krise eine Lehre.

Von Anna Gentrup, Köln

Der Versicherer Allianz spürt die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie: Allein im ersten Quartal 2020 sorgte die Krise für einen Schadenaufwand von 700 Millionen Euro. 300 Millionen Euro musste die Allianz in der Lebensversicherung und der Krankenversicherung aufbringen, 400 Millionen Euro in der Schaden- und Unfallversicherung. Besonders betroffen ist der Industrieversicherer Allianz Global Corporate & Specialty.

Für Kunden, die ihre Firmen wegen der Pandemie schließen mussten, hat der Konzern bislang 200 Millionen Euro in der Betriebsschließungsversicherung aufgebracht. Dazu kommen ausgefallene Großveranstaltungen: Der Schadenaufwand beläuft sich schon jetzt auf weitere 200 Millionen Euro. Hier werde noch einiges auf die Allianz zukommen, glaubt Finanzchef Giulio Terzariol. Er erwartet im Entertainment-Bereich "erhebliche Verluste" von bis zu 400 Millionen Euro. Die abgesagten Olympischen Spiele werden den Konzern hingegen nur bedingt treffen. "Was Olympia angeht, erwarten wir einen niedrigen Betrag von weniger als 20 Millionen Euro, da sind wir nicht so exponiert."

Der operative Gewinn ging im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 22,2 Prozent auf 2,3 Milliarden Euro zurück. In der Schaden- und Unfallversicherung trübten neben den Auswirkungen der Krise Schäden durch Naturkatastrophen das Ergebnis. Trotz der aktuellen Turbulenzen und Unwägbarkeiten zog Terzariol am Dienstag ein positives Fazit. "Insgesamt war das erste Quartal 2020 kein normales Quartal, aber ich würde sagen, wir haben uns in einem schwierigen Umfeld ganz gut behauptet", sagte er.

Wegen der Krise hatte der Versicherer sein Jahresziel für einen operativen Gewinn von zwölf Milliarden Euro mit einer Schwankungsbreite von plus oder minus 500 Millionen Euro bereits gekippt. Diesen Korridor zu treffen, verglich Konzernchef Oliver Bäte mit einer "millimetergenauen Punktlandung mitten im Orkan" - das könne man nicht versprechen. Ein neues Ziel will der Konzern nennen, sobald sich die Auswirkungen der Krise besser abschätzen lassen. Grundsätzlich brauche es neue Lösungen in der Absicherung für Pandemien. "Es wäre naiv zu denken, dass Versicherungsunternehmen Pandemiedeckungen anbieten können", sagte Terzariol. Man müsse mit den Regierungen Lösungen finden.

Wie schnell sich die Lage aktuell ändert, hat der Finanzchef in der Krise zu spüren bekommen. Es könne sich alles in nur einer Woche ändern. "Was ich in dieser Krise gelernt habe ist, man macht heute eine Behauptung und drei Tage später denkt man sich: Warum habe ich das gesagt?"

Finanziell sieht er den Konzern trotz des Gewinnrückgangs in einer starken Position. Die Solvenzquote, mit der die Versicherer ihre Finanzstärke belegen müssen, hat sich zwar von 212 Prozent Ende 2019 auf 190 Prozent verschlechtert. Vorgeschrieben sind mindestens 100 Prozent, doch die Allianz hat sich ein Minimalziel von 180 Prozent gesetzt. Der Abrieb sorgt Terzariol nicht. "Das ist ein sehr gutes Niveau, eine gute Ausgangslage, falls wir in Zukunft wieder Schocks haben."

© SZ vom 13.05.2020

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