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Versicherungen:Aufräumen bei der Allianz

Der verantwortliche Manager für das Geschäft mit Industrie-Versicherungen muss gehen, der Nachfolger steht bereit.

Von Herbert Fromme

Niran Peiris, 59, Manager, Versicherungsmathematiker und Betriebswirt, verlässt nach SZ-Informationen den Vorstand der Konzern-Muttergesellschaft Allianz SE. Konzernchef Oliver Bäte habe die Verlängerung des Ende 2020 auslaufenden Vertrages für Peiris abgelehnt, hieß es in Branchenkreisen. Am Freitag tagt der Aufsichtsrat der Allianz SE. Dort will Bäte gleich den Nachfolger präsentieren: Das soll Chris Townsend werden, bis Februar beim US-Versicherungskonzern AIG für das internationale Sachgeschäft zuständig.

Niran Peiris.

(Foto: Wolfgang Stahr/oh)

Mit dem Schritt will Bäte Investoren und Belegschaft zeigen, dass er es ernst meint mit der Aufräumaktion bei der problembeladenen Industrieversicherungstochter Allianz Global Corporate & Specialty (AGCS). Peiris ist im Vorstand der Obergesellschaft für dieses Geschäftsfeld zuständig.

Der neue Mann Chris Townsend ist 52 Jahre alt und hat fast 30 Jahre Erfahrung in der Branche. Er begann 1991 bei AIG und war in leitenden Positionen in Australien, Japan und anderen asiatischen Ländern tätig. Zwischenzeitlich agierte der Brite auch als Asien-Chef des Lebensversicherers MetLife. Warum er Anfang des Jahres plötzlich AIG verließ, ist bislang unbekannt. Allerdings hatte er sich 2019 mit offener Kritik an früheren Managemententscheidungen, vor allem am Verkauf des Lateinamerika-Geschäfts, nicht nur Freunde im Konzern gemacht.

Chris Townsend.

(Foto: Business Wire/oh)

Peiris muss damit nach nur drei Jahren im Vorstand gehen. Der Australier mit Wurzeln in Sri Lanka kam 2000 zur Allianz in Australien und machte dort schnell Karriere. Von 2013 bis 2017 war er Landeschef. Zum Verhängnis wurden ihm jetzt die Probleme der AGCS. Die Gesellschaft versichert weltweit große Industriekonzerne, Flugzeuge, Schiffe und Ölplattformen. Sie war jahrelang für Bäte das Paradebeispiel für einen erfolgreichen Versicherer.

In den vergangenen Jahren aber litt der Spezialversicherer immer stärker unter einer hohen Schaden- und Kostenbelastung sowie einer zumindest ungeschickten Auswahl der übernommenen Risiken. Ende 2019 musste der Konzern 600 Millionen Euro in die AGCS einschießen, um die Reserven zu stärken. Kurz darauf kam es zu einem regelrechten Beben bei der früher so erfolgreichen Tochter: Bäte trennte sich Knall auf Fall von AGCS-Chef Chris Fischer Hirs und ersetzte ihn durch den in Deutschland erfolgreichen Manager Joachim Müller. Inzwischen hat Müller einen großen Teil des Führungsteams ausgewechselt.

Jetzt muss mit Peiris auch das zuständige Vorstandsmitglied auf Konzernebene gehen. Dass zu seinem Verantwortungsbereich auch der australische Markt gehört, in dem die Allianz - wie fast alle Gesellschaften - einige Jahre lang Verluste erlitten hatte, dürfte ihm auch nicht geholfen haben. Zudem machte die Distanz zu seiner Familie, die weiter in Australien lebt, das Leben für Peiris gerade in Corona-Zeiten zusätzlich schwer. Dass es Probleme geben würde, zeigte sich bereits Anfang des Jahres bei der Bonusberechnung für 2019: Der Aufsichtsrat bewertete seine Leistung als die schlechteste im Vorstand.

© SZ vom 25.09.2020

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