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Versicherungen:Allianz zufrieden trotz der Pandemie

Neubau der Allianz in München, 2016

Allianz-Niederlassung in Unterföhring bei München. Der Versicherungskonzern ist bisher glimpflich durch die Krise gekommen.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Im dritten Quartal hat der Versicherer fast so gut verdient wie 2019.

Von Herbert Fromme, Köln

Die Allianz hat gute Zahlen für das dritte Quartal vorgelegt. Es gab nur vergleichsweise geringe zusätzliche Belastungen von 100 Millionen Euro wegen der Corona-Pandemie.

In den ersten neun Monaten kostete die Krise den Konzern insgesamt 1,3 Milliarden Euro, davon 900 Millionen Euro für Versicherungsschäden und 400 Millionen Euro aus Verlusten an den Kapitalmärkten. Die Allianz werde die zweite Welle der Infektionen nicht mehr so stark spüren wie die erste, sagte Finanzchef Giulio Terzariol bei der Vorstellung der Quartalszahlen.

Die Pandemie trifft den Konzern vor allem in der Reiseversicherung, die von der Tochter Allianz Partners betrieben wird, der Kreditversicherung bei Euler Hermes und in der Lebensversicherung. Das Neugeschäft in der Lebensversicherung war im dritten Quartal um fast 20 Prozent niedriger als im Vorjahr. Dazu kommen die Verluste bei den Kapitalanlagen.

Dennoch: Der operative Gewinn war von Juli bis September mit 2,9 Milliarden Euro fast auf dem Vorjahresniveau von drei Milliarden Euro. Auch wenn das operative Ergebnis für die ersten neun Monate um 14,6 Prozent auf 7,8 Milliarden Euro zurückging, ist Terzariol zufrieden.

Der Konzern kann gute Nachrichten gebrauchen. Der Dax hat seit Jahresanfang rund fünf Prozent verloren - die Aktie der Allianz mehr als 23 Prozent. Ähnlich schlecht geht es den Papieren von Munich Re, Generali und Axa. Investoren glauben, dass die Pandemie den Versicherern mehr schadet, als bisher sichtbar ist. Denn jede Rezession führt zu sinkenden Einnahmen bei den Versicherern. Dazu kommen mögliche Belastungen durch Kapitalmarktturbulenzen.

Trotz der alles in allem moderaten Belastung durch die Pandemie will die Allianz keine Prognose für den Jahresgewinn abgeben. Die Lage sei zu unsicher, sagte Terzariol. Im ersten Quartal habe sich die gesamte negative Entwicklung an den Aktienmärkten in zwei Wochen im März abgespielt, und auch aktuell seien die Anzeichen für Turbulenzen sehr hoch. "Wir können nicht ausschließen, eine solche Volatilität im Dezember zu sehen."

Eigentlich wollte die Allianz 2020 eigene Aktien für 1,5 Milliarden Euro zurückkaufen, um den Aktienkurs zu stützen. Die ersten 750 Millionen Euro erwarb der Konzern im März und April. Dann kam Corona, und die zweite Tranche wurde ausgesetzt. Jetzt hat die Allianz sie ganz gestrichen. Die Aufsichtsbehörden hätten keine große Sympathie für Rückkäufe, sagte der Finanzchef. An der Dividendenpolitik will der Konzern festhalten - 50 Prozent des Gewinns werden ausgeschüttet, und die Dividende wird nie reduziert. Für 2019 betrug sie 9,60 Euro.

© SZ vom 07.11.2020
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