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Versichungsrisiko AKW:Unschätzbare Schäden

Dass Zerstörungen durch Erdbeben auch in Deutschland nicht unmöglich sind, berichtet Rainer Kind vom Deutschen Geoforschungszentrum in Potsdam. "Die Atomkraftwerke hier sind auf Kante genäht", sagt er. "Es sieht so aus, als ob Erdbeben, die mehrere Jahrhunderte zurückliegen, nicht ausreichend berücksichtigt würden." Als Beispiel nennt er das Beben von Basel 1356. "Das ist lange her, aber geologisch nicht zu vergessen", so der Forscher. Auch in Japan hätten die Seismologen nicht mit einem Beben dieser Stärke an dieser Stelle gerechnet.

Die Ökonomen an seiner Seite plädieren ebenfalls für eine Erhöhung der Haftpflichtdeckung. Schwarze spricht vom "Faktor 100". Solche Summen in der privaten Versicherungswirtschaft aufzutreiben, wäre nicht das Problem, sagt er. "Wir versichern weitaus größere Schäden auf dem internationalen Markt." Alles eine Frage der Prämie. Anstelle der Haftpflichtversicherung stehen derzeit Gewährleistungszusagen der Konzerne. Würden die Schäden diese Summe - 2,5 Milliarden - übersteigen, spränge der Staat ein.

Warum also den Versicherungsanteil aufstocken?

Diskussion über "implizite Subventionen" gefordert

Nach Ansicht der Atomwirtschaft ist das völlig unnötig: "Versicherungen, Garantiezusagen und Konzernvermögen im Milliardenumfang sichern mögliche Schadenersatzforderungen bei Unfällen rundum ab. Eine weitere Aufstockung der Haftungsdeckung ist deshalb nicht erforderlich", heißt es auf der Homepage des Lobbyverbands Deutsches Atomforum. Mit einer Ausweitung der Privathaftpflicht für die Betreiber müsse man über Prämien diskutieren und darüber, ab welcher Höhe der Staat einspringen würde, sagt DIW-Chef Wagner. "Das wäre eine sehr transparente politische Diskussion, die bisher gar nicht auf der Agenda steht."

Wagner spricht von "impliziten Subventionen" für die Kernenergie durch die unvollständige private finanzielle Abdeckung möglicher Schäden. Diese gelte es zu diskutieren - ähnlich wie die direkten Unterstützungsleistungen für erneuerbare Energien. Eine Erhöhung der Haftpflichtsumme hätte natürlich Folgen für die Prämien: "Es kann heißen, dass Kernkraft sehr teuer wird", sagt Wagner.

Eine Diskussion über die Versicherungspflicht würde diese Kosten offenbaren. "Wenn Gefahren eingepreist werden, ist es einfacher, sich rational zu entscheiden", sagt der Ökonom. Je größer der Anteil privater Schadensvorsorge, desto teurer die Kernenergie.

In letzter Konsequenz bedeutet das: Ausstieg - auf ökonomisch.

© sueddeutsche.de/leja/wolf/hgn
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