Süddeutsche Zeitung

Versicherungen:Hochwasser kostet Versicherungen Milliarden

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Durch die Mehrkosten rutschen die Versicherer in der Gebäudeversicherung noch weiter in die roten Zahlen. Das könnte zu Preissteigerungen führen.

Von Friederike Krieger, Köln

Das Unwetter, das in der vergangenen Woche vor allem in Deutschland, aber auch in der Schweiz, Belgien, Luxemburg und den Niederlanden für Überschwemmungen gesorgt hat, wird die Versicherer zwei bis drei Milliarden Euro kosten. Davon geht die Investmentbank Berenberg aus. Am stärksten betroffen ist demnach die Allianz. Allerdings haben die britischen Analysten die öffentlich-rechtlichen Versicherer in ihre Berechnungen nicht einbezogen. Aber auch auf die Düsseldorfer Provinzial, die in Nordrhein-Westfalen und im Norden von Rheinland-Pfalz aktiv ist, und auf die Versicherungskammer Bayern in München mit ihrem Geschäftsgebiet im Süden von Rheinland-Pfalz kommen erhebliche Schadenzahlungen zu. Die Gesellschaften sind traditionell starke Gebäudeversicherer in ihren Regionen. Das bedeutet auch, dass ihr Rückversicherer Deutsche Rück mit hohen Schäden rechnen muss. Der echte Schadenaufwand könnte deshalb über der Schätzung der Berenberg Bank liegen.

Das Tief "Bernd" hatte mit heftigen Regenfällen Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen, aber auch Bayern und Sachsen-Anhalt schwer verwüstet. Über 160 Menschen starben. Die Schäden allein in Deutschland schätzen die Berenberg-Analysten auf eine bis zwei Milliarden Euro. Im Gegensatz zum Elbe-Hochwasser 2002, das in heutigen Preisen versicherte Schäden in Höhe von 4,5 Milliarden Euro verursacht hatte, wurden diesmal kleinere Städte und Gemeinden getroffen. Als Vergleichsmaßstab taugen daher eher die Überschwemmungen von 2013. Sie haben die Versicherer 1,8 Milliarden Euro gekostet. Das deckt sich mit der Einschätzung des Branchenverbands GDV.

Die wirtschaftlichen Schäden werden jedoch viel höher ausfallen. Bei vergleichbaren Hochwasserkatastrophen waren meist nur 20 Prozent bis 25 Prozent der Gesamtschäden versichert. Das liegt auch daran, dass nur 46 Prozent der Gebäude in Deutschland eine Hochwasserdeckung haben.

Bei der Allianz rechnen die Berenberg-Analysten mit einer Belastung von netto 250 Millionen Euro. Die Münchener haben einen Marktanteil von rund 13 Prozent in den betroffenen Bundesländern Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. Dahinter folgen Generali (225 Millionen Euro), Axa (110 Millionen Euro) und Zurich (106 Millionen Euro). Talanx wird nach Einschätzung der Analysten nur rund 40 Millionen Euro zahlen müssen. Auch Ageas, Helvetia und die Baloise werden zur Kasse gebeten.

Die ohnehin defizitäre Wohngebäudeversicherung dürfte dadurch noch tiefer in die roten Zahlen rutschen. Obwohl die Anbieter in den vergangenen Jahren Preise erhöht und Kunden mit hohen Schäden gekündigt haben, lag die Schaden- und Kostenquote zwischen 2000 und 2019 im Durchschnitt bei 106 Prozent, hat die Kölner Ratingagentur Assekurata berechnet. Das bedeutet: Die Versicherer mussten pro eingenommenen Euro an Prämie 1,06 Euro für die Zahlung von Schäden sowie Verwaltungs- und Vertriebskosten aufbringen. Diesen versicherungstechnischen Verlust können sie wegen niedriger Zinsen kaum mit Kapitalerträgen ausgleichen. Die Hausratversicherung ist dagegen ein stabiler Gewinnbringer.

Das vergangene Jahr lief gut für die Versicherer - auch weil es coronabedingt wenig Schäden gab. Doch 2021 verhagelt die Bilanzen. Schon im Juni hatten die Risikoträger 1,7 Milliarden Euro für Unwetterschäden gezahlt. "Wir werden deutliche versicherungstechnische Verluste sehen", glaubt Assekurata-Chef Reiner Will.

Die Anbieter könnten daher erneut an der Preisschraube drehen. "Das wird nicht die erste Reaktion der Versicherer sein, aber sie werden schauen, ob es sich um ein Einzelereignis handelt oder um einen Trend", sagt Will. "Mittelfristig könnte es gewisse Auswirkungen auf die Prämie geben." Außerdem wird die Branche das Unwetter dafür nutzen, bei ihren Kunden intensiv für den Abschluss der zusätzlichen Elementarschadenversicherung zu werben.

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