Versicherer:Die Allianz durchsucht die Bankkonten

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Mit dem Auto unterwegs? Das spiegelt sich auf dem Bankkonto wieder – und interessiert die Versicherer.

(Foto: Gustafsson/imago)

Wenn der Kunde einverstanden ist, durchsucht eine spezielle Software die Konten der Hypovereinsbank und empfiehlt dann Versicherungen. Zum Beispiel nach Kindsgeburten oder einem neuen Job.

Von Herbert Fromme, Köln

Ein Kind wird geboren, eine Erbschaft angetreten, ein neuer Job gefunden. Die Ereignisse spiegeln sich im Bankkonto wider, vom Kindergeld bis zum neuen Gehalt. Wer bei der Hypovereinsbank (HVB) ein Konto hat und es digital führt, kann künftig der Allianz den Zugriff auf diese Daten gestatten - und erhält im Gegenzug einen optimalen Versicherungsschutz, verspricht die Gesellschaft.

"Digitaler Versicherungsmanager" heißt das. HVB und Allianz arbeiten seit 2018 zusammen, die Bank verkauft in ihren Filialen Policen des Versicherers und erhält dafür Provision. Der neue digitale Manager geht weit darüber hinaus: Die Allianz führt mit einer speziellen Software eine umfangreiche Bedarfsanalyse bei jedem Kunden durch, der einverstanden ist.

Der Konto-Check "erkennt neue Lebensereignisse" und empfiehlt eine "Optimierung Ihrer Versicherungssituation", heißt es auf einer Webseite, auf der Bank und Versicherer das neue System testen. Das Programm kommt vom Makler und IT-Spezialisten Friendsurance in Berlin, der einen ähnlichen Versicherungsmanager bereits für die Deutsche Bank sowie für den Versicherer R+V und die mit ihm verbundenen Raiffeisen- und Volksbanken gebaut hat. Die Daten für den Vergleich der Versicherungsverträge liefert das Analysehaus Franke & Bornberg in Hannover.

"Der digitale Allianz Versicherungsmanager vereinfacht Ihr Leben nachhaltig, da Sie dank automatischer Erkennung Ihrer Lebensereignisse ganz einfach den Überblick über Ihre Versicherungen behalten", behauptet die Allianz. Bei der Kontoanalyse untersucht das System nicht nur bedeutende Lebensveränderungen, sondern auch die bestehenden Versicherungsverträge. Die Ergo oder die Versicherungskammer Bayern buchen den Beitrag für die Haftpflichtversicherung ab? Die Allianz-Software analysiert die Verträge der Konkurrenz anhand der Daten von Franke & Bornberg. "Ihre bestehenden Verträge werden vollautomatisch bewertet, und bei Optimierungsbedarf können Sie ganz einfach einen Beratungstermin vereinbaren."

Der Kunde kann dabei nicht digital abschließen, die Allianz setzt auf den Verkauf durch ihre eigenen Vertreter oder die Spezialisten der Bank. Provisionen erhält die Bank in beiden Fällen. Neben der Vollständigkeit der Versicherungsdaten sei "ein großer Vorteil, dass der Allianz Versicherungsmanager Sie auf essenzielle, noch fehlende Versicherungen hinweist, die wichtig für Ihr Leben sein können".

Mit dem Datenschutz dürften Allianz und HVB kein Problem haben, schließlich müssen die Kunden ausdrücklich zustimmen. Den Vorwurf, nur eigene Policen verkaufen zu wollen, will die Allianz mit dem Hinweis auf die Daten von Franke & Bornberg kontern - schließlich ist dort nicht immer der Allianz-Vertrag der beste.

Die Kontoanalyse kommt aktuell in Mode. Das Start-up Banksapi in München wirbt bei Banken und Versicherern damit, dass sie "das finanzielle Blutbild" ihrer Kunden kennenlernen sollen und hat dafür eine Reihe von Kooperationspartnern. Die Versicherungskammer Bayern hat sich 2018 eine solche Anwendung von Clark bauen lassen und sie dem Online-Makler abgekauft. Das in "S-Versicherungsmanager" umbenannte System bietet die Gesellschaft seither allen Sparkassen ihres Geschäftsgebiets an.

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