Verschwundener Journalist Konzerne meiden wegen Fall Khashoggi Wirtschaftskonferenz in Riad

Jamal Khashoggi verschwand am 2. Oktober im saudischen Konsulat in Istanbul.

(Foto: AP)
  • Immer mehr Teilnehmer und Medienvertreter ziehen sich nach dem Verschwinden des saudischen Journalisten Jamal Khashoggi von einer Konferenz in Riad zurück.
  • Der Regierungskritiker wird seit einem Besuch des saudischen Konsulats in Istanbul vermisst.
  • Auch Siemens ist Partner der Konferenz - und "verfolgt den Fall sehr genau".

Eine Werbeveranstaltung für die Wirtschaft Saudi-Arabiens gerät wegen des Falls Khashoggi immer weiter unter Druck. Nach und nach sagen Unternehmen ihre Teilnahme ab oder kündigen an, dies zu prüfen. Am Sonntag gab der Verwaltungsratschef des Autokonzerns Ford, Bill Ford Junior, bekannt, nicht zu der Konferenz zu errscheinen. In der Nacht zu Montag sagte auch der Chef der US-Bank JP Morgan, Jamie Dimon, seine Teilnahme ab. Zuvor hatten die Financial Times und New York Times erklärt, sich als Medienpartner zurückzuziehen. Der US-Unternehmer Richard Branson kündigte an, sein Konzern Virgin Group werde Verhandlungen mit dem saudi-arabischen Staatsfonds über eine Milliarden-Beteiligung stoppen.

Auch deutsche Konzerne sind Partner der Investoren-Konferenz "Future Investment Initiative", die am 23. Oktober in Riad beginnt. Die Konferenz wird als "Davos in der Wüste" vermarketet, soll ausländische Geldgeber und Konzerne ins Land holen und als Diskussionsplattform dienen. Einer der deutschen Partner der Konferenz in Riad ist Siemens. Ein Sprecher des Unternehmens sagte: "Wir beobachten die Situation und verfolgen den Fall sehr genau. Nach derzeitigem Stand plant Joe Kaeser die Teilnahme an der Konferenz."

Die Münchner Unternehmensberatung Roland Berger, ein weiteres Partnerunternehmen, teilte mit: "Bezüglich unserer Teilnahme an der Investitionskonferenz beobachten wir die Situation und haben derzeit noch keine abschließende Entscheidung getroffen."

"Der IWF verfolgt die Entwicklung im Fall des verschwundenen Journalisten sehr genau"

Das Programm der Konferenz kündigt unter anderem eine Rede der Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, an. Ein IWF-Sprecher sagte: "Der IWF verfolgt die Entwicklung im Fall des verschwundenen Journalisten sehr genau und wird nach der derzeit stattfindenden Jahrestagung auf Bali entscheiden, ob Frau Lagarde wie geplant die Rede halten wird." Die Chefredakteurin des britischen Magazins Economist hat ihre Teilnahme bereits abgesagt, genau wie der Chef des US-Medienkonzerns Viacom, Bob Bakish, der auf der Konferenz sprechen sollte. Uber-Chef Dara Khosrowshahi will einem Sprecher zufolge sein Kommen davon abhängig machen, ob sich die Faktenlage bis dahin deutlich ändert. Die Geschäfte mit dem Königreich hat der Fahrservice vorübergehend pausiert.

Das Verschwinden des saudischen Journalisten Jamal Khashoggi hat somit erste wirtschaftliche Auswirkungen für das Königreich. Der prominente Regierungskritiker wird seit einem Besuch des saudischen Konsulats in Istanbul vermisst, nachdem er zuvor den Kronprinzen Mohammed bin Salman kritisiert hatte. Die türkische Regierung soll einem Bericht der Washington Post zufolge Audio- und Videoaufnahmen besitzen, die den mutmaßlichen Mord an dem Journalisten im Istanbuler Konsulat seines Heimatlandes beweisen sollen.

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Die Regierung in Ankara will durch Video- und Audioaufzeichnungen den Mord an dem saudischen Journalisten beweisen. Ob Mitglieder der US-Regierung diese schon sehen konnten, ist unklar. mehr...