bedeckt München

Vernehmungen:Aussage gegen Aussage

Ex-Konzernchef Braun will von kriminellen Machenschaften nichts gewusst haben.

Von Klaus Ott und Jörg Schmitt, München

Lange hat Markus Braun geschwiegen, seitdem er im Juli 2020 in Untersuchungshaft kam. Doch im Dezember hat der frühere Wirecard-Chef schließlich ausgesagt; hat sich mehrmals vernehmen lassen durch die Staatsanwaltschaft München I, die ihn schwerer Straftaten bezichtigt. Braun ist bei seiner bisherigen Linie geblieben. Er selbst habe nicht kriminell agiert. Und er habe von den mutmaßlich kriminellen Geschäften seines Vorstandskollegen Jan Marsalek nicht gewusst. Braun war Mitte 2020 vom Kronzeugen der Staatsanwaltschaft, dem ehemaligen Wirecard-Statthalter in Dubai, schwer belastet worden. Die Aussagen des Kronzeugen hatten Braun in U-Haft gebracht. Bei seinen Vernehmungen wies der Ex-Konzernchef die Vorwürfe des Kronzeugen zurück.

Die Münchner Staatsanwaltschaft hatte vergangenes Jahr auch die Bankkonten von Braun, er ist Österreicher, in dessen Heimat überprüfen lassen. Die Ermittler wollten wissen, ob der langjährige Wirecard-Chef "persönliche Vorteile" aus den ihm angelasteten Taten gezogen habe. Auf den österreichischen Konten von Braun und seiner Familie fanden sich allerdings keine Gelder, die diesen Verdacht gestützt hätten. Die dort ausgewiesenen Beträge lassen sich alle mit seinen Bezügen als Vorstandschef erklären. Auch bei den Durchsuchungen von Brauns Wohnungen und Häusern in Deutschland und Österreich fand sich offenbar kein belastendes Material. Was bleibt, sind vor allem die Anschuldigungen des Kronzeugen. Da steht jetzt Aussage gegen Aussage.

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