"Vernachlässigtes Klientel" Österreichische Banken expandieren in Deutschland

Seine Bank lege hingegen großen Wert auf intensive Kundenbeziehungen. Auch der Vorstand sei sich dafür nicht zu schade. "Ich betreue selbst 250 Kunden", so Scharinger.

Neben der Raiffeisen Landesbank Oberösterreich sind auch die Linzer Oberbank AG und der Salzburger Raiffeisenverband im Süden Deutschlands sehr aktiv.

Gemeinsam wehrt sich das österreichische Trio gegen Vorwürfe bayerischer Geldinstitute, sie seien im Vergleich zur österreichischen Konkurrenz benachteiligt.

Mehr Strenge

Nicht nur die Bayerische Landesbank ärgert sich über Vorschriften des deutschen Kreditwesengesetzes, die bei der Kreditvergabe mehr Strenge beim Einholen von Kundeninformationen verlangen. So fordert Paragraph 18 schon bei Krediten von mehr als 250.000 Euro eine Offenlegung der wirtschaftlichen Verhältnisse des Kreditnehmers. In Österreich liegt diese Grenze bei 750.000 Euro.

Auch davon profitierten österreichische Institute bei Geschäften in Bayern, klagen deutsche Banken. "Ich sehe das überhaupt nicht", meint Scharinger dazu.

Die Raiffeisen Landesbank verlange präzise Informationen von Kunden "schon unterhalb des deutschen Wertes", ergänzt er. Auch Frank Helmkamp von der Linzer Oberbank und Erich Ortner vom Salzburger Raiffeisenverband bestreiten angebliche Ungleichheiten. "Der Unterschied im Kreditwesengesetz ist minimalst", meint Ortner, der auch Vorstand der Salzburg München Bank AG (SMB) ist.

Bemühungen um den Kunden

Entscheidender sei, dass österreichische Banken im Gegensatz zu deutschen Geldinstituten, die "lange nur mit sich selbst beschäftigt gewesen sind", und bayerische Mittelständler jahrelang vernachlässigt hätten, sich viel intensiver um Kunden bemühten.

Dies habe das Bayern-Geschäft stark wachsen lassen. So betreue die SMB, die 1990 als erste Banktochter einer österreichischen Geldgruppe von Raiffeisen in Deutschland gegründet worden war, rund 4000 Firmenkunden in Bayern. Dieses Geschäft wird laut Ortner gemeinsam von der SMB und ihrer Salzburger Muttergesellschaft betreut.

Auch die Linzer Oberbank ist seit fünfzehn Jahren in Bayern präsent und hat Filialen in München, Landshut, Rosenheim, Passau und Regensburg. "Wir verdienen dort gut", bestätigt Helmkamp.

Ertragsbringer Bayern

Bayern sei mit rund 7000 Kunden für die Oberbank "ein wichtiger Ertragsbringer" geworden. Bei Firmenkunden gäbe es anhaltend starke Zuwächse, die deutlich höher seien als die Wachstumsraten in Österreich.

Inzwischen registrieren österreichische Banken, die in Bayern tätig sind, jedoch ein gewisses Umdenken bei ihrer deutschen Konkurrenz. "Nicht nur die HypoVereinsbank wendet sich jetzt wieder stärker den Klein- und Mittelbetrieben zu", stellt SMB-Vorstand Ortner fest. Auch die Oberbank will solche Tendenzen - ein neues, stärkeres Bemühen deutscher Banken um die Mittelständler in Deutschland - bemerkt haben.