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Vermögensabgabe:Beruflich mit sozialer Ungerechtigkeit konfrontiert

Viele reiche Menschen behielten dieses Geld lieber für sich. Warum Sie nicht?

Ich habe dieses Vermögen nur, weil ich vor einigen Jahren geerbt habe: Mein Opa hat den Betrieb gegründet, an dessen Gewinn ich beteiligt bin. Deswegen bin ich in der glücklichen Lage, nicht mehr arbeiten zu müssen. Aber zuvor war ich durch meinen Beruf stark mit sozialer Ungerechtigkeit konfrontiert. Ich bin Sozialpädagogin und habe viele Jahre lang in einem Frauenhaus und in der offenen Altenhilfe gearbeitet. Dort habe ich Erfahrungen gemacht, die viele Menschen mit einem Einkommen wie meinem nie machen.

Wie haben Sie diese Erfahrungen geprägt?

Ich hatte viel mit Altersarmut zu tun und den sozialen Abstieg von Frauen erlebt, die schwierige Trennungen oder Gewalterfahrungen hinter sich hatten. Auch in meinem Bekanntenkreis gibt es Menschen, die in Hartz IV abgerutscht sind. Ich habe mich schon damals politisch engagiert und mich als Stadträtin für soziale Themen eingesetzt. Als ich durch die Erbschaft in dieser privilegierten Situation war, fühlte ich mich verpflichtet, auch privat umzuverteilen.

Und wie tun Sie das?

Ich besitze Immobilien, will aber eine soziale Vermieterin sein. Das heißt, ich gebe die Wohnungen zu nicht marktüblichen Preisen her, sondern nehme circa 25 bis 50 Prozent weniger von bedürftigen Mietern, die ich selbst aussuche. Ich vergebe zinsfreie Kleinkredite im Bekanntenkreis. Und ich bin zur GLS-Bank für ethische Geldanlagen gewechselt.

Ihre Initiative fordert seit Jahren Reformen im Steuersystem - bisher ohne Erfolg. Was würde es für Sie bedeuten, wenn Vermögensabgabe und -steuer eingeführt würden?

Das habe ich noch nicht ausgerechnet. Einen großen Unterschied im Alltag würde es aber nicht machen: Ich lebe verhältnismäßig bescheiden, habe keine Villa, kein dickes Auto und mache möglichst keine Fernreisen, aus ökologischen Gründen, aber auch weil ich mein Geld lieber anders investiere. Ich muss nicht unbedingt zeigen, was ich habe.