Vermögen Die fetten Jahre für die Reichen sind vorbei

Luxusyachten im chinesischen Dalian: Wirklich stark wächst das Vermögen der privaten Haushalte nur in Asien

(Foto: AFP)
  • Weltweit wachsen die Vermögen nur noch um rund fünf Prozent. Früher waren Steigerungen um neun Prozent normal. "Die besten Jahre sind vorbei", heißt es im neuen "Global Wealth Report" der Allianz.
  • Die Niedrigzinsen machen es offenbar auch Reichen schwerer, ihr Vermögen zu mehren.
Von Felicitas Wilke

Die Menschen weltweit werden im Schnitt weiterhin reicher, ganz so rasant wie in den vergangenen Jahren geht es aber nicht mehr aufwärts. Das ist ein zentrales Ergebnis des "Global Wealth Report", den der Versicherer Allianz vorgestellt hat. Das Unternehmen beleuchtet in seiner Studie Jahr für Jahr, wie es den Menschen weltweit finanziell geht. Betrachtet man die 50 Länder, die untersucht wurden, ist das globale Geldvermögen der privaten Haushalte im vergangenen Jahr um 4,9 Prozent gewachsen. Schulden werden dabei nicht berücksichtigt. Damit liegt die Zahl knapp über der Wachstumsrate der gesamten Wirtschaftsleistung. In den Jahren zuvor hatte sich das Vermögen im Schnitt um neun Prozent vermehrt.

Gerade in den westlichen Industrienationen, aber auch in den Schwellenländern Lateinamerikas und Osteuropas seien "die besten Jahre vorbei", heißt es im Report. Wirklich stark wächst das Vermögen der privaten Haushalte nur in Asien. In den Ländern des Kontinents, ausgenommen Japan, hatten die Menschen 2015 fast 15 Prozent mehr Bruttovermögen als noch im Jahr zuvor.

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In Westeuropa stiegen die Mittel hingegen nur um 3,2 Prozent, in den USA um 2,4 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr sank die Zuwachsrate damit jeweils auf weniger als die Hälfte. Im Vergleich zur gesamten Wirtschaft ist das aber noch immer überdurchschnittlich. In der EU nahm das Bruttoinlandsprodukt im gleichen Zeitraum um 1,8 Prozent zu.

Dass die Menschen in Asien im vergangenen Jahr so viel mehr Geld angehäuft haben als im Jahr zuvor, liegt vor allem daran, dass die Wirtschaft in vielen Ländern weiter wächst. Gerade in China geht damit dem Report zufolge einher, dass sich zunehmend eine wohlhabende Mittelschicht herausbildet. Und die investiert: Denn berücksichtigt man nicht nur das Bruttovermögen, sondern bezieht die Schulden der Menschen in Asien in die Rechnung ein, zeigt sich, dass sie im weltweiten Vergleich überdurchschnittlich viele Schulden anhäufen.

In vielen Ländern Westeuropas bauen die Menschen hingegen eher Schulden ab - obwohl die EZB-Politik der niedrigen Zinsen sie eigentlich dazu animieren sollte, zu konsumieren. "Nur sehr wenige Haushalte scheinen offenbar den Verlockungen der Niedrigzinsen zu erliegen und ihre Nachfrage auf Pump zu erhöhen", sagt Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz.

Umgekehrt dürfte die EZB-Politik einer der Hauptgründe dafür sein, wieso das Vermögen der Westeuropäer im vergangenen Jahr nur so verhalten angestiegen ist. Denn die Europäer legen einen Großteil ihres Vermögens in Versicherungen oder Pensionen und Bankeinlagen an - und darauf gibt es derzeit kaum Zinsen. Wer sparen wolle, befinde sich "in einem echten Dilemma", sagt Heise. Doch auch die Menschen, die in Aktien investiert haben, konnten im vergangenen Jahr nicht mehr so hohe Wertsteigerungen mitnehmen. Damit falle "ein wichtiger Faktor des Vermögenswachstums der letzten Jahre" weg, sagt Heise.

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