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Verlage:Bertelsmann setzt auf das Buch

Bislang muss Bertelsmann die Macht und den Gewinn bei Penguin Random House teilen. Jetzt übernehmen die Gütersloher alle Anteile am größten Buchverlag der Welt.

Von Caspar Busse

Bertelsmann hat einst mit dem Verlegen und Drucken von Büchern angefangen, dann wuchs das Medienunternehmen in vielen Bereichen - Zeitschriften, Fernsehen, Dienstleistungen, Musik, Digitales. Jetzt stärkt Konzernchef Thomas Rabe erneut das Buchgeschäft. Rund 600 Millionen Euro investieren die Gütersloher, um in den Besitz aller Anteile an Penguin Random House zu kommen. Das Unternehmen mit Hauptsitz in New York ist der mit Abstand größte Buchverlag der Welt und verkauft etwa 600 Millionen Bücher, E-Books und Hörbücher im Jahr. Erfolgsautoren sind unter anderem Michelle Obama ("Becoming"), John Grisham, Salman Rushdie oder Margaret Atwood. Zur Gruppe gehören 300 Einzelverlage.

"Das Buchgeschäft gehört zur Identität von Bertelsmann", sagte Rabe. 2013 hatten Bertelsmann und der britische Pearson-verlag ihre Buchgeschäfte zusammengelegt, dadurch entstand Penguin Random House. Zunächst hatte Bertelsmann 53 Prozent der Anteile, Pearson 47 Prozent. 2017 stockten die Gütersloher dann auf 75 Prozent auf. Jetzt erhält Pearson für die letzten 25 Prozent gut 600 Millionen Euro. Zeitgleich mit der Transaktion kündigte Pearson-Chef John Fallon seinen Rücktritt für 2020 an. Das Geschäft mit Bertelsmann soll im zweiten Quartal 2020 umgesetzt werden. Bertelsmann steht nun der gesamte Gewinn aus dem Buchgeschäft zu, bislang wurde der mit Pearson geteilt.

Künftig wird auch Random House Deutschland mit Hauptsitz in München in die Gruppe integriert. Dieser Teil war zuvor außen vor und gehörte bereits zu 100 Prozent zu Bertelsmann, war also nicht Teil des Gemeinschaftsunternehmens mit Pearson. "Für die Mitarbeiter in München ändert sich nichts", so Rabe. Das Unternehmen geht auf den C.-Bertelsmann-Verlag zurück, der 1835 in Gütersloh gegründet wurde. Heute gehören dazu in Deutschland eine Reihe von Buchverlagen, unter anderem Goldmann, Heyne, Blessing, Siedler oder die DVA. 1998 hatte Bertelsmann Random House in New York gekauft. Chef des Unternehmens ist der Deutsche Markus Dohle.

Das Buchgeschäft von Bertelsmann machte 2018 einen Umsatz von 3,4 Milliarden Euro, der ganze Konzern 17,7 Milliarden Euro. Zu Bertelsmann gehören außerdem RTL, der Zeitschriftenverlag Gruner +Jahr, die Musikfirma BMG sowie eine weltweit agierende Bildungssparte.

© SZ vom 19.12.2019

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