Verkehrsminister Dobrindt im Interview "In zehn Jahren werden Autos autonom und vernetzt fahren"

Verkehrsminister Dobrindt bei einer Pressekonferenz in Berlin

(Foto: AFP)

Verkehrsminister Dobrindt glaubt im SZ-Interview, dass wir nicht mehr lange selbst hinter dem Steuer sitzen müssen. Nur das mit der Pkw-Maut könnte noch eine Weile dauern.

Von Markus Balser und Cerstin Gammelin

Sein privates Auto ist neun Jahre alt. Doch die von ihm eingeführte Elektroauto-Prämie will Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt nicht anrühren. "Bei den 1500 Kilometern, die ich zur Zeit im Jahr privat fahre, ist mein altes Auto okay", sagt Dobrindt im SZ-Interview. Dabei will der Minister von Berufs wegen gerade diese Zurückhaltung der Deutschen aufbrechen und sie im großen Stil zu E-Auto-Fahrern machen. Denn er glaubt, dass die hiesige Autobranche international zurückfällt, wenn das Land die Zukunftstechnik nicht selber nutzt.

Die Veränderungen auf den Weltmärkten hält Dobrindt für gewaltig: "In zehn Jahren werden Autos autonom und vernetzt fahren, Busse und Bahnen fahrerlos unterwegs sein. Die Digitalisierung wird die Mobilität verändern." Das Auto werde dann mit einem Auto von heute nicht mehr viel zu tun haben. "Es wird eher einem Laptop auf Rädern gleichen als einem klassischen Auto." Offen sei, ob die Anbieter dann noch VW und Mercedes heißen, oder Google und Apple. "Was ich nicht vorhersehen kann, ist, welche Firmenlogos die Fahrzeuge tragen", sagt Dobrindt.

Abgastests haben teils katastrophale Werte ergeben - nicht nur bei VW

Die Autoindustrie, mit all ihren Zulieferbetrieben der wichtigste Arbeitgeber in Deutschland, steckt gerade in der tiefsten Krise ihrer Geschichte. Sie begann mit Manipulationen bei VW. Inzwischen hat der Abgas-Skandal die gesamte Branche erfasst - weltweit. Infolge des Abgas-Skandals müssen in Europa laut Dobrindt voraussichtlich noch mehr Fahrzeuge in die Werkstätten als bislang bekannt.

Mit Suzuki und Renault hätten auch die ersten internationalen Hersteller Rückrufaktionen signalisiert, sagte der Verkehrsminister. Bislang hatten nur deutsche Hersteller den Rückruf von 630 000 Autos angekündigt. Abgastests seines Ministeriums hatten teils katastrophale Werte zutage gefördert. Betroffen waren neben den deutschen Herstellern Audi, Mercedes, Opel Porsche und VW auch ein Dutzend ausländischer Anbieter wie Ford, Jaguar Chevrolet oder Dacia. Viele hatten zunächst offen gelassen, wie sie auf die Vorwürfe reagieren. Nissan lehnt einen Rückruf ab.

Maut-Zeitplan wackelt bedrohlich

Das Verkehrsministerium erhöht nun auch auf internationale Behörden und Hersteller den Druck, Kunden Lösungen anzubieten. "Wir sind in Kontakt mit allen betroffenen Zulassungsbehörden. Ich erwarte, dass sie so hart durchgreifen wie wir und für Rückrufe sorgen", sagte Dobrindt. "Es wird dazu Gespräche mit meinen internationalen Kollegen geben. Sollte ein Rückruf nicht freiwillig klappen, werden wir auch das öffentlich diskutieren."

Die Abgas-Tests des Ministeriums sollen in den kommenden Monaten zudem weiter gehen. Die Kommission des Ministeriums werde nicht aufgelöst, kündigte Dobrindt an. "Sie wird weiter benötigt. Sie geht Hinweisen nach, wie aktuell denen gegenüber Fiat-Modellen." Stickoxid steht gerade im Vordergrund. Dobrindt deutete jedoch auch eine mögliche Ausdehnung der Tests an. "Auch CO2 kann uns beschäftigen. Unsere Arbeit ist noch nicht zu Ende."

Das gilt auch für das CSU-Prestigeprojekt, die Maut. Denn deren Zeitplan wackelt bedrohlich. Dobrindt kalkuliert damit, dass sie nicht mehr vor der Bundestagswahl 2017 etabliert werden kann. Ob die von seiner Partei vorangetriebene Einführung einer Infrastrukturabgabe tatsächlich noch in dieser Legislaturperiode eingeführt werden kann, "das ist leider offen", räumte der Minister ein. "Auf den Zeitplan des Europäischen Gerichtshofes habe ich keinen Einfluss".

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